Wir verneigen uns vor Kosmas Cholidis

Heute Nacht ist überraschend unser guter Freund Kosmas Cholidis im Alter von 86 Jahren verstorben.
Er war für uns eine feste Stütze und Ikone des Vereins und weit über die Grenzen Spandaus hinaus bekannt. Sein „hast Du Bauer, hast Du Partie“ bleibt für mich (seit meiner Jugend) persönlich genauso unvergessen, wie die vielen lebhaften politischen Diskussionen in unseren Lieblingsrestaurants, die wir nach jedem Spielabend aufgesucht haben.

Wir trauern mit seiner Ehefrau Karin und seinen beiden Töchtern.

 


Manfred Strzeletz für den Vorstand

Bearbeiter: | | Archiv: Verein SC Zitadelle Spandau | ID: 8544

Kategorie: Aus den Vereinen

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Kommentare

Kommentare

Matthias Kribben am :

Lieber Cosmas,

politisch waren wir nicht der gleichen Meinung.
Ich habe niemals einen Menschen kennen gelernt, der solch einen großen Hass auf die Amerikaner hatte, aber Du hast es immer gut begründet und besonders in Deiner ersten Lebenshälfte offenbar viel Elend erlebt und schlechte Erfahrungen mit Regimen gemacht, was Dich geprägt hat.

Vor 33 Jahren kam ich nach Berlin und zum Schachclub Zitadelle Spandau, Du warst damals schon das Maskottchen und für mich auch der Oldie im Verein. Unsere Arbeitsplätze in Spandau waren nur 100 Meter voneinander entfernt und wir trafen uns oft in der Mittagspause. Du solltest auf Anraten der Ärzte nicht mehr selbst spielen, Dein Herz würde die Aufregung nicht mehr vertragen. Du warst aber an jedem Vereinsabend dabei und ein Kiebitz, der unglaublich viel von dem Spiel versteht – mehr als die meisten aktiven Spieler es je tun. Du hattest deshalb auch keine Elozahl, aber Dein Schach-IQ muss verdammt hoch gewesen sein und Dein scharfer Verstand war auch mit 86 Jahren nicht im Geringsten getrübt.

Ich war fast ein Vierteljahrhundert Dein Vorsitzender und Du hast mir abwechselnd große Achtung und große Abschätzung entgegengebracht. Oft wusste ich nicht, ob es Ernst oder Spaß war, aber Dein verschmitztes Lächeln ließ meist Letzteres vermuten. Und man konnte Dir nie böse sein, auch wenn Du mich mal wieder als Einziger auf der Jahreshauptversammlung bei der Wahl zum Vorsitzenden mit einer Gegenstimme versorgt hattest…

Bei den sonntäglichen BMM-Kämpfen wartete man immer schon darauf, dass Du in der spannenden Phase dazu kommst und leidenschaftlich mitfieberst mit Deinen Mannen – als oft einziger Fan warst Du sozusagen unser Stadion und irgendwie auch unser Hooligan, mit nicht immer perfekten Manieren und gerne auch mit liebevollen Pöpeleien, wenn Dir etwas gar nicht gefiel.

Du warst über einen ewig langen Zeitraum immer noch begeistert von einem Turmendspiel, welches mir vor vielen Jahren mal gegen Weiße Dame gelang – mit Bauernopfern, Zugzwang und solchen Sachen – und erzähltest immer wieder ganz begeistert von dieser kleinen Perle, zuletzt gerade wieder Ende Februar, als wir uns, wie wir nun leider wissen, das letzte Mal sahen. Du warst wirklich ein großer Freund unseres Spiels, ein Fanatiker im wahrsten und positivsten Sinne des Wortes. Ruhe in Frieden und sei gewiss: Jeder, der Dich kannte, wird Dich nie vergessen!

Und wir werden bestimmt ein Cholidis-Gedenkturnier ausrichten. Ein Turnier, bei dem jeder von der Seitenlinie aus reinrufen kann, bei dem pro Brett mindestens ein Kiebitz auf Fehler lauert und wo nicht das Ergebnis zählt, sondern die Freude am Spiel, an der Kombination und an der Ästhetik!

Wolfgang Thormann am :

Unvergessen unser "Kossi"

Während der Berliner Senioren Meisterschaft im Februar 2020 haben ich mit Winfried Zaeske und Eberhard Metzger (Zitadelle Spandau) ausgiebig über Kosmas gesprochen. Eine Einladung konnte Kossi aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr folgen.
Ich habe Kossi 1964 im Ostberliner Schachverein TSC Berlin kennen und schätzen gelernt. Er war gerade nach einigen Schwierigkeiten im Schachverein TSC Berlin aufgenommen worden, obwohl er schon viele Jahre regelmäßiger Gast bei Trainings-Abenden und den Wettkämpfen war.
Für mich unvergessen ist eine Schachreise mit der Mannschaft von DAW Berlin 1972 nach Prag. Viele heiße Diskussionen zum Weltmeisterschaftskampf Spassky - Fischer wurden von Kossi geführt. Sein großer Favorit war der "Sowjetmensch" Weltmeister Spassky und Kossi verteidigte ihn auch nach der Niederlage vehement. Sein Temperament kam besonders beim Ausgleichssport Fußball und beim Blitzschach zum Tragen.
Nach Mauerfall wurde, Kossi nach Rückkehr aus seiner Heimat Griechenland in Westberlin ansässig, das Wiedersehen ausgiebig gefeiert. Das führte sogar dazu, dass Olaf Thal und ich eine Partie für Spandau im Berliner Mannschaftskampf spielten.
In den folgenden Jahren trafen wir uns des Öfteren mit großem Hallo und schwelgten in Nostalgie.
Viele der alten Schachfreunde von TSC - DAW Berlin werden sicher noch oft an unseren Kosmas - Kossi denken.

Wolfgang Thormann

Winfried Zaeske am :

Im Jahre 1982 tauchte Kosmas das erste mal beim Verein Zitadelle Spandau auf. Friseur Zilian hatte ihn beim Spandauer SV aufgelesen und zum Blitzen mitgebracht. Er trat dann bei uns ein und blieb bis zum Schluß .Die anderen Spandauer schienen ihm zu schwach und wenig unterhaltsam .Zuvor war er mit der Familie aus der DDR übergesiedelt, weil er sich irgendwie mit dem Regime angelegt hatte. Rein politische Gründe können es nicht gewesen sein. Dem Land und den Menschen blieb er in Dankbarkeit immer verbunden, hatte man ihm damals doch als Sohn eines griechischen Partisanen Asyl gewährt.
In guter Erinnerung habe ich noch den Freundschaftskampf Ostberlin gegen Westberlin im Dezember 1989 in Erinnerung. Wir hatten und ins Goetheinstitut in die Hardenbergstraße auf den Weg gemacht. Es war ein herzliches Wiedersehen mit alten Weggefährten und Schachfreunden. Er hatte vorher in seinen Anekdoten immer erzählt ,wen er alles aus der Schach-DDR gekannt haben wollte. Und zur Überraschung kannte er wirklich sehr viele. Nicht nur die Zinn, Malich etc, sondern auch die Baumbach, Handel, Kupfer, Thal,Thorman etc.
Das wurde ein Abend, den man nicht aus dem Gedächtnis streichen wird.

Uwe Bade am :

Viele Schachjahre haben Kossi und ich bei AdW Berlin verbracht.

Sporadisch wurde Kossi auch in der DDR-Sonderliga eingesetzt. Er spielte dann als Ersatzmann am Brett des fehlenden Stammspielers. Infolge seiner geringen Anzahl an Turnierpartien konnte er seine Leistungsklasse 5 nicht verbessern. Jedenfalls erwarteten seine hochkarätigen Gegner kaum nennenswerten Widerstand und mussten im Partieverlauf erstaunt seine Fähigkeiten erkennen. Kossi hatte sie fast alle "auf der Pfanne", egal ob es sich um Rainer Knaak, Manfred Schöneberg oder Artur Hennings handelte. Aber die Tragödie war immer die gleiche: Im Angesicht des nahen Sieges wurde Kossi von zunehmender Nervosität übermannt und wir fürchteten ein um das andere Mal, dass ihn der Schlag treffen würde. Kurzum: Kossi verlor.
Bis auf ein Mal. Als Mitglied der zweiten AdW-Mannschaft spielte er gegen Lothar Zinn von AdW I. Und (wie fast immer) stand Kossi auf Gewinn. Plötzlich erhob er sich und sagte laut und vernehmlich: "Lothar gib auf!" Als Lothar Zinn ihn daraufhin etwas ungläubig anguckte, fuhr er fort: "Für dich als IM ist es unwürdig eine solche Verluststellung weiter zu spielen. Gib auf!" Und der großartige Sportsmann Lothar Zinn gab auf.

Kossi war immer für eine Überraschung gut. Und so werde ich ihn in Erinnerung behalten.

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