Werner Koch ist verstorben

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

Mit großem Bedauern muss ich euch mitteilen, dass unser langjähriger Schatz­meister, Schachfreund und unser Ehrenmitglied Werner Koch am 5.12. verstorben ist. Wie kaum ein anderer hat er sich für den Berliner Schachverband eingesetzt. Ganze 28 Jahre lang war er als unser Schatzmeister für die Verbandsfinanzen verantwortlich. Sein jahrzehntelanges Wirken ist die Grundlage, auf der wir als folgende Generationen aufbauen können.

Ich persönlich hatte leider nie das Privileg, mit ihm zusammenzuarbeiten, da ich erst nach seiner Zeit im Berliner Schachverband wirkte. Aber ich bin ihm dankbar für das Fundament und den finanziell gesunden Verband, den er geprägt und hinterlassen hat. Ohne dieses Fundament könnten wir nicht die Jugendarbeit in Berlin fördern, eine neue Website finanzieren, die Leistungssportförderung ausbauen, eine Geschäftsstellenkraft zur Entlastung unserer ehrenamtlich Aktiven beschäftigen, mehr Geld für die Meisterklasse und die Berliner Frauen­einzel­meister­schaft bereitstellen und die diversen Turnierzuschüsse für die Berliner Schach­spie­lerinnen und Schachspieler finanzieren. Ohne sein jahrzehntelanges Wirken wären alle Pläne dieser Art Luftschlösser ohne große Hoffnung auf Umsetzung.

Mich lehrt es, wie wichtig es ist, die Verdienste derjenigen, die vor uns da waren und gewirkt haben, in Erinnerung zu behalten und dankbar zu sein. Für seinen jahrzehntelangen Einsatz gebührt ihm unser aller Dank.

Der Spandauer Schachverein hat einen Nachruf verfasst, den wir an dieser Stelle mit euch teilen.


* 8.7.1936    † 5.12.2021


Spandauer Schachverein e.V. 1894:

Wir trauern um unseren verstorbenen Schachfreund Werner Koch.

Werner war ein langjähriges Mitglied unseres Vereins, wirkte auch aktiv auf Ver­bands­ebene. Beliebt durch seine Freundlichkeit, Einsatzbereitschaft und verantwortungsbewusstes Handeln. Bereits in den 70er-/80er-Jahren und bis jetzt ins hohe Alter war er als Leistungsträger und Vorbild stets für seine Mannschaft, Spandau 1 aktiv. Ein großer Spandauer und Berliner spielt jetzt in der höchsten Liga, im Schacholymp – schmerzfrei. Es sei Ihm gegönnt.

Dein Einsatz und Treue verdient Ehre und Dank! Werner, wir werden dich und dein Wirken für immer in guter Erinnerung behalten.


Nachruf von Carsten Schmidt, ehemaliger Präsident des Berliner Schachverbandes

Die Nachricht hat mich so kurz vor Weihnachten wie ein Schlag getroffen: unser Ehrenmitglied und ehemaliger, langjähriger Schatzmeister Werner Koch ist nicht mehr unter uns.

Seit 1994 habe ich mit Werner Koch im Präsidium des Berliner Schachverbandes zusammengearbeitet. Jederzeit war ich beeindruckt von Werners absolutem Fachverständnis und seiner in vielen hitzigen Präsidiums-Debatten neutralen und unvoreingenommenen Haltung. Es ging ihm stets um das finanzielle Wohl des Verbandes. Wir haben nie sparen müssen, konnten immer die notwendigen Ausgaben ohne Probleme realisieren und hatten aber stets in Werner einen mahnenden Geist, der uns den Impuls in die richtige Richtung gab.

Schon vor längerer Zeit in meiner Amtszeit als Präsident des Berliner Schachverbandes hat Werner mir mitgeteilt, dass wir uns im Präsidium nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger umsehen sollen, da er nicht mehr der Jüngste ist und die gesundheitlichen Schwierigkeiten auch nicht weniger werden. Beim Verbandstag 2018 haben wir ihn mit Zustimmung der Versammlung nach seinem Ausscheiden zum Ehrenmitglied des Berliner Schachverbandes gemacht. Er war über diese Ehre sichtlich gerührt.

Wir hatten in Werner Koch einen Schatzmeister, der kurz vor der Wende als Retter im Finanzbereich des Berliner Schachverbandes in sein Amt gewählt wurde und als gelernter Finanzbuchhalter unsere Kasse auf bis dahin ungewohnte und professionelle Art und Weise auf Vordermann brachte. Nicht nur Alfred Seppelt als einer meiner Vorgänger, auch viele Präsidiumsmitglieder und Referenten in der Zeit lernten in der Anfangszeit die neue Arbeitsweise eines akribischen Finanzbuchhalters kennen. Bilanzen, Aktiva, Passiva, Abschreibungen – das war vielen neu. Als ich 1994 als Jugendwart damals noch kommissarisch im Präsidium mitarbeitete, lernte ich früh, dass eine Abrechnung eine Abrechnung sein kann oder eben nur eine Auflistung. Oft verzweifelte Werner nicht nur an mir und rief jeden an, dessen Abrechnung er so nicht akzeptierte. Hohe Ansprüche gab es an jeden Ehrenamtlichen, auch wenn dieser nichts mit Buchhaltung zu tun hatte.

Der Renntag des Berliner Schachverbandes in der Trabrennbahn Mariendorf ist auch auf Initiative von Werner Koch, der neben dem Schach auch eine große Liebe zum Reitsport hatte, einige Male organisiert worden. Er selbst war auch ein gefürchteter Schachspieler, ging keiner taktischen Finesse aus dem Weg und hat ein ums andere Mal viel stärkere Spieler besiegen können. Im Simultan 2003 gegen Garri Kasparow im KaDeWe, welches der Weltmeister „zu null“ gewann, war die Partie gegen Werner lange auf der Kippe und er hätte es fast geschafft. In späteren Jahren gehörte er regelmäßig zur Seniorenauswahl im Wettkampf „Jung gegen Alt“ und konnte da auch einige Achtungserfolge erzielen.

Anfang der 2000er wollte Alfred Seppelt einen Nachfolger aufbauen. An Werner Koch kam man nicht vorbei. Er sah sich zwar selbst nicht als Präsidentschaftsnachfolger, aber er sollte schon mitentscheiden, wer der Nachfolger wird. Und er blieb in der wilden Zeit, als Seppelt sich ein ums andere Mal mit Gegenkandidaten oder immer größeren Konflikten mit einigen Vereinen konfrontiert sah, der Ruhepol und der, auf dessen Arbeit und Genauigkeit man sich immer verlassen konnte.

Nach Übernahme des Präsidentenamts durch Matthias Kribben 2004 musste sich Werner Koch gleich mehreren Herausforderungen stellen: zwei Umzüge der Geschäftsstelle innerhalb von 6 Jahren, die Einstellung einer neuen Geschäftsstellenkraft und die durch all das entstandenen höheren Kosten hat Werner sich nicht beirren lassen und in jedem Jahr beim Verbandstag die fortgesetzte Konsolidierung der Finanzen angemahnt.

Nach meiner Übernahme als Präsident im Jahre 2010 haben Werner Koch und ich gemeinsam aufgrund der Beitragserhöhungen beim DSB und beim LSB zwei Beitragserhöhungen innerhalb von 10 Jahren durch die Verbandstage gebracht. Seine Zuarbeit und seine klaren Erläuterungen konnten die meisten Zweifler und Gegner von Mehrkosten überzeugen, dass es nach mehr als 20 Jahren keine Schande ist, Beiträge zu erhöhen. Nach jedem Verbandstag rief er mich gleich am kommenden Tag an. Wir konnten immer den kurzen Draht halten und haben uns oft gegenseitig ausgetauscht. Viele Entscheidungen des Präsidiums haben wir gemeinsam vorbereitet. Ich habe seine sachliche und genaue Sicht auf das Berliner Schach immer bewundert.

In den letzten Jahren hatte er, auch nach Aufgabe seines Amtes, mit immer größeren gesundheitlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Dieses Jahr war für ihn und seine liebe, ihm seit 25 Jahren zur Seite stehenden Frau, ein schweres Jahr mit vielen gesundheitlichen Rückschlägen. Am 05. Dezember 2021 wurde er aus unserer Mitte gerissen. Die Erinnerungen an seine akribische und trotzdem herzliche Art werden uns aber bleiben und wir werden ihn in dankbarer Erinnerung behalten.

Carsten Schmidt


Nachruf von Matthias Kribben, ehemaliger Präsident des Berliner Schachverbandes

Werner Koch lernte ich in den 90er-Jahren kennen.

Ich war Vorsitzender von Zitadelle Spandau und organisierte dort eine spezielle Turnierserie, zu der Werner Koch gerne und häufig kam und seine Gegner mit 1.b4 ärgerte.

Er meinte zu mir, ich könne doch gut organisieren und Leute motivieren und spornte mich an, vom Vereinsvorsitz einen Schritt nach "oben" zu machen und Präsident des Verbandes zu werden, bei dem er schon seit vielen Jahren seine Bestimmung als Schatzmeister gefunden hatte.

Nach reiflicher Überlegung und vielen Gesprächen packte ich das dann an und hatte in Werner einen geradezu perfekten Schatzmeister!

Es hat Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten, er war zuverlässig und gewissenhaft, immer gepaart mit einem gewissen Schalk und mit viel Freude an der Zusammenarbeit mit jüngeren Leuten.

Einerseits war er eine Respektsperson, sein Gebaren wirkte manchmal etwas antiquiert (er benutzte z.B. häufig das Wort "frug" statt fragte), andererseits war er neuen Dingen und Entwicklungen gegenüber stets aufgeschlossen.

Er war ein Sparfuchs im positiven Sinne: Für den Verbandstag besorgte er große Mengen an Verpflegung für niedrige dreistellige Beträge, die Geschichten über seine günstigen Urlaubsreisen mit seiner netten Lebensgefährtin waren legendär und um Porto zu sparen, brachte er mir, wann immer es ging, persönlich Post in meinem Büro am Ku-damm vorbei, wenn er in der benachbarten Nestorstraße zu tun hatte.

Und er hat manchmal sensationell stark gespielt, mit überraschenden Kombinationen, und ich sehe noch vor mir, wie er bei unserem letzten Havelcup vor wenigen Jahren Brigitte Burchardt, die frisch gebackene Siegerin der Berliner Seniorenmeisterschaften, überspiele.

Bei unserem letzten Treffen kurz vor der Pandemie klagte er über seine chronische Rückenschmerzen, war aber geistig wie immer hellwach und an allen Themen interessiert.

Es war schön mit Dir zu arbeiten und zu spielen, danke Werner!


Erinnerungen von Frank Hoppe

Ich lernte Werner erstmals nach dem Mauerfall kennen, als wir mit unserer Schachsektion der BSG Medizin Berlin freundschaftliche Vergleiche mit der BSG 1827 Eckbauer hatten. Eckbauer hatte uns zum Neujahrs-Blitzturnier am 5. Januar 1990 in ihr langjähriges Spiellokal im Kasino des Bezirksamts Charlottenburg in der Heerstraße eingeladen. Überrascht waren wir bei unserem ersten Gastspiel im Westen, das sich alle Westberliner Schachfreunde siezten. Aber vielleicht war das nur mein Eindruck von den Menschen im Umfeld von Werner, der Autorität ausstrahlte.

Obwohl wir danach viele Jahre zeitgleich für den Berliner Schachverband tätig waren - er als Schatzmeister, ich als Wertungs- und DV-Referent - blieb ich bei Werner sehr lange weiter beim "Sie". Erst ab den 2010er Jahren gingen wir langsam zum "Du" über. Wir kannten uns ja schon über zwei Jahrzehnte. Nicht nur als Verbandsfunktionär, sondern auch von vielen Duellen am Brett. Werner war ein sehr starker Blitzschachspieler, spielte bei kurzen Bedenkzeiten wohl 200-300 Punkte über seiner DWZ.

Zurück zum damaligen Neujahrsblitz: Mit unserem Gastspieler Stefan Drobka (damals Chemie Köpenick) teilte ich mir am Ende Platz 1 mit 14 aus 16 bei 32 Teilnehmern. Fünf Spieler hatten einen Punkt weniger: Ulrich Lesky (Medizin) und die Eckbauern Reinhard Baier, Thomas Neubart, Clemens Krause und Werner Koch. In der Vereinswertung blieb Eckbauer mit 136,5 zu 119,5 klar siegreich.


Wir werden an dieser Stelle noch weitere Erinnerungen von Weggefährten veröffentlichen. Wenn ihr persönlich Erinnerungen oder Worte habt, die ihr in Gedenken an Werner Koch teilen möchtet, schreibt bitte an praesident@berlinerschachverband.de. Wir werden sie dann an dieser Stelle veröffentlichen.

Bearbeiter: | | Archiv: BSV - Nachrichten | ID: 17037

Kategorien: Personalien, Präsidium

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