Werner Doblies (1938-2018)

Mit großer Bestürzung erfuhr ich gestern, dass unser langjähriger, früherer Schulschachreferent, Träger der Goldenen Ehrennadel, mein lieber Schachfreund und vertrauensvoller Vorstandskollege, Werner Doblies, unerwartet infolge eines Unfalls in Costa Rica bereits Ende Dezember 2018 im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Dem Berliner Schulschach geht ein wichtiger Wegbereiter verloren.

Nachruf

In den 80er Jahren lernte ich, selbst noch Oberschüler und Schulschach-Teilnehmer, Werner als Initiator und Organisator des Schnellschachturniers der Berliner Schulen kennen. Er war bei vielen Teilnehmern sehr beliebt, da er das Turnier mit sehr launigen und trockenen Bemerkungen begleitete, die ein ums andere Mal sehr witzig waren.

Anfang der 90er Jahre wollte er kürzertreten und übergab die verantwortungsvolle Aufgabe des Schulschachreferenten an mich. Die Übergabe verlief problemlos und wir trafen uns oft, damit auch ja nichts schief ging. Während dieser Zeit lernte ich das Go spielen von ihm und war froh, in ihm für meine neuen Aufgaben im BSV einen Mentor gefunden zu haben. Aber mein Schicksal holte Werner Doblies wieder ins Amt: Ich wurde Landesjugendwart und die Erfahrung Werners musste dem Schulschach in Berlin weitere Jahre Stabilität geben. Er pflegte über Jahre gute Kontakte zur Senatsverwaltung und zu allen Schach-AG-Leitern in Berlin. Für seine hervorragende Arbeit für das Berliner Schulschach wurde er 1995 auch mit der Goldenen Ehrennadel des Berliner Schachverbandes ausgezeichnet.

Zwei Deutsche Schulschachmeisterschaften und ein Mädchen-Vierländerturnier organisierte er gemeinsam mit mir auf der Schulfarm Insel Scharfenberg, wo er auch einen hervorragenden Ruf als Lehrer genoss. Was viele Lehrer sich wünschen, war bei ihm ganz normal: Die Schüler mochten ihn. Sein trockener Humor war offensichtlich auch hier bekannt und beliebt.

Für 2003 gab er bekannt, dass er mit seiner Pensionierung auch als Schulschachreferent in Pension geht. Er organisierte die Suche nach einem Nachfolger und fand einen. So konnte er nun das machen, für das ich ihn seither bewunderte: die Welt erkunden. In den kalten Herbst- und Wintermonate floh er in sonnige Gefilde: Kuba, viele Länder in Südamerika und Asien. Er war irgendwie überall - ein richtiger Weltenbummler- und nutzte die Gelegenheit oft in diesen Ländern als Naturliebhaber die Gegend zu erkunden, mit der Naturfotografie ein Hobby neu zu entdecken, aber auch Schach zu spielen. Mit seinem pointierten Humor erläuterte er mir öfter, dass er mal wieder bei einem Turnier in irgendeinem Land der beste, weil einzige deutsche Teilnehmer war. Was seine teilweise beachtliche Spielstärke und seine unternehmungsfreudige Spielweise nicht schmälern soll. Ich selbst habe in Tegel in den 90ern jahrelang darauf bestanden, ihn als Mitstreiter in der Mannschaft zu haben. Er war zuverlässig und hilfsbereit - und ich fühlte mich mit ihm in der Mannschaft immer sicher. Und einige sehr amüsante Erlebnisse mit ihm werde ich nie vergessen.

Nach seiner Pensionierung und den damit verbundenen Reisen beschränkte sich der Kontakt auf kurze E-Mails oder zufällige Treffen im Sommer in Berlin.

Ich habe Werner Doblies stets als freundlichen und sympathischen Menschen erlebt, manchmal etwas zerstreut, immer humorvoll. Wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich gerne nochmal ein paar Partien mit ihm spielen. Ich verabschiede mich bei einem guten Freund und einem großartigen Menschen. Für das Berliner Schach danke ich ihm als engagierten und verantwortungsvollen Mitarbeiter im Vorstand.

 

In dankbarer Erinnerung.

 

Carsten Schmidt

Präsident des Berliner Schachverbandes

Bearbeiter: | | Archiv: BSV-Nachrichten | ID: 3456

Kategorie: Personalien

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