Der SC Rochade trauert um Dr. Joachim Eichler

Karsten Vettermann
Joachim Eichler 2014

Der SC Rochade e.V. nimmt in tiefer Trauer Abschied von seinem langjährigen Spielleiter Dr. Joachim Eichler. Er verstarb in der Nacht zum 23. August 2014 nach einer langen, schweren Krankheit im Alter von 66 Jahren.

Mit Joachim verlieren wir nicht nur ein engagiertes, als Spielleiter des Vereins gewissenhaft arbeitendes Vorstandsmitglied. Joachim war auch stets eine verlässliche Stütze als Spieler und Mannschaftsleiter.

Es gibt wohl nicht mehr viele Menschen seines Schlages. Sich selbst zurücknehmend, obwohl ein leidenschaftlicher Schachspieler wie wir alle, war es für ihn über viele Jahre wichtig, seinen Mannschaftskameraden einfach nur über die Schulter zu sehen und die Ergebnisse im Spielprotokoll zu vermerken.

Joachim war seit 1993 Mitglied unseres Vereins. Und obwohl er damals erst kurz dabei war, übernahm er gern die Funktion des Spielleiters. Über zwanzig Jahre füllte er sie aus. Oftmals machten es ihm die Schachfreunde dabei nicht leicht. Turnierdisziplin ist schwerer als Schäfermatt! Dank seines Engagements wurde in all diesen Jahren in unserem Verein ein abwechslungsreicher Spielbetrieb organisiert.

Tabellen ausfüllen, Statistiken führen, die Einhaltung von Regeln überwachen - Joachim war auch häufig als Schiedsrichter bei Wettkämpfen des BSV und  in der Oberliga eingesetzt - all das vollbrachte Joachim mit Akribie, absoluter Verlässlichkeit und Fairness.

Wer könnte so etwas besser als ein promovierter Journalist? Schon während seines Studiums zog ihn das Brett mit den 64 Feldern in seinen Bann.

Er widmete sich aber auch anderen Hobbys: Ebenfalls seit seiner Studienzeit in Leipzig war er im Stenozirkel eingeschrieben. Später nahm er erfolgreich an den Deutschen Meisterschaften des Stenografenverbandes teil, und bei einer Weltmeisterschaft der Stenografen in Prag 2007 erkämpfte er in einer Disziplin sogar die Silbermedaille.

Nach 1990 machte Joachim dieses Hobby auch zeitweilig zu seinem Beruf. Er arbeitete als Stenograf in den Landtagen von Brandenburg und Sachsen und hielt  Fachvorträge, so im Verband der Parlamentsstenografen. Stenografie und Schach – welch‘ glückliche Kombination von Schnellschreibern und Tiefdenkern!

Sein Stenoblock half in so mancher Vorstandssitzung oder Jahreshauptversammlung beim SC Rochade, Vergessenes in Erinnerung zu bringen, Unklares zu klären, Beschlossenes noch einmal aufzurufen. Einfach aus der Tasche gezogen und in ihm geblättert, eine scheinbar wilde Kettung wirrer Kringel interpretierend: Joachims Notizen waren immer verlässlicher als jedes bestätigte Protokoll!

Joachim hatte auch ein Faible für Spielkarten. Es gab kein Turnier unseres Vereins, dass nicht mit Hilfe eines Skatblattes ausgelost wurde.

Er wirkte nicht nur bei Schachturnieren, wie jährlich beim Pokal der Volkssolidarität, gern als Schiedsrichter, sondern organisierte und leitete - über unseren Verein hinaus -  viele Skatturniere. Kein Weihnachtsskat ohne Joachim als Turnierleiter! Und natürlich auch nicht ohne die netten kleinen Sachpreise, die er bei den jeweiligen Turnieren immer mit in der Tasche hatte.

Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass es ausgerechnet Joachim war, der eines Tages die Sportart „Skach“ erfand, eine Mischung aus Skat und Schach.

Dagobert Kohlmeyer
Turnier der Volkssolidarität 2009: Vorn Joachim Eichler gegen Walter Wuthcke (links)

Wir bedanken uns bei Dr. Joachim Eichler für die schönen gemeinsamen Jahre, für die unvergessenen Erlebnisse am Schachbrett oder hinter dem Skatblatt und für die unzähligen Stunden Freizeit, die er unserem Verein und dem Berliner Schach in seinen Funktionen und Ämtern schenkte.

Wenn wir am nächsten Trainingsabend den Schrank öffnen werden, in dem unser Spielmaterial lagert, wird auf der rechten Seite zwischen den Partieformularen, Figurenkästen und Pappbrettern auch eine kleine Plastikschachtel liegen mit 32 gut gemischten Karten. Nicht nur sie werden denjenigen vermissen, der sie so sympathisch vielseitig zu verwenden wusste.

Karsten Vettermann
SC Rochade e.V.
1. Vorsitzender

Adieu Schachfreund Achim

Bestürzt und traurig habe ich wie die Mitglieder unseres Vereins SC Rochade und sicher auch viele Schachfreunde aus Berlin die Nachricht von Joachim Eichlers Tod aufgenommen.

Ich kannte ihn über drei Jahrzehnte. Als Berufskollegen trafen wir schon in den 1980er Jahren bei den Berliner Schachmeisterschaften der Journalisten im Ostteil der Stadt aufeinander. Einmal konnte Achim das Turnier gewinnen.

Später fanden wir beide beim SC Rochade unsere schachliche Heimat. Joachim Eichler wird uns als engagierter Spiel- und Mannschaftsleiter verschiedener Teams in bester Erinnerung bleiben. In den vergangenen Jahren sorgte er sich mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit um die beste Aufstellung der ersten Mannschaft. Joachim kam zu jedem Punktspiel mit, auch wenn er nicht selbst ans Brett musste. Dann setzte er sich etwas abseits und las ein interessantes Buch, das war eine weitere Leidenschaft von ihm.

Seine schlimme Krankheit hat unser Schachfreund mit großer Geduld und Würde ertragen. Nie haben wir eine Klage von ihm darüber gehört.

Joachim Eichler und ich hatten den gleichen Heimweg. Meist fuhren wir nach dem Spielabend oder einem Wettkampf in meinem Auto gemeinsam nach Hause und hatten dabei gute Gespräche. In meinem letzten Buchmanuskript hat er noch akribisch Korrektur gelesen.

Achim, meine Gedanken sind bei Dir und Deiner Familie - See you later!

Dagobert Kohlmeyer

Dagobert Kohlmeyer
Shake hands von Schachfreunden: Vorn Joachim Eichler mit dem Autor (links)
Bearbeiter: Dagobert Kohlmeyer | | Archiv: BSV-Nachrichten | ID: 1393

Kategorien: Aus den Vereinen, Personalien

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Kommentare

H.Pöltelt am :

Obwohl ich Achim erst in meiner einjährigen Spielzeit beim SC Rochade kennen- und schätzen gelernt habe, wird er mir als sehr integrer Mensch und begeisterter, leidenschaftlicher Schachkollege in Erinnerung bleiben. Achim, du hast uns zu früh verlassen.
In Trauer mit den Nächsten und vielen anderen Schachfreunden
Dr. Helmut Pöltelt
SC Eintracht Berlin

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