Adis Artukovic gewinnt das Tempelhofer Neujahrsblitzturnier!

Am 10.01.2020 lud der Schachklub Tempelhof 1931 e.V. zum Neujahrsblitzturnier in die Sportanlage Götzstraße ein. Ohne Startgeld und mit kleinen Sachpreisen sollte in freundschaftlicher Atmosphäre ein entspanntes Blitzturnier das neue Jahr einläuten.

Mit 20 Anmeldungen war der Andrang erfreulich groß und so wurde von einem Rundenturnier auf ein Swiss-Turnier mit 9 Runden umgeschwenkt. Bei den Startern waren von Fidemeister über Betriebsschachspieler bis hin zu selten beim Blitz gesehenem Gesicht alles vertreten. Auch der frisch gekürte Neujahrsturniersieger aus Mariendorf, Dr. Patrick Winter gab sich die Ehre.

Am Ende gewann Adis Artukovic vom SC Zugwang 95 mit 7,5/9 Punkten knapp vor Adrian Sitte (7/9 Punkte) vom SK Tempelhof 1931 und Dr. Patrick Winter (6,5/9 Punkte) vom TSV Mariendorf 1897. Er konnte sich die Flasche Sekt sichern, die ihm hoffentlich irgendwann noch einem schönen Abend bereiten wird.

Durch Unsportlichkeit fielen leider die Fidemeister Dirk Paulsen und Dirk Maxion auf, die sich nach deutlicher Warnung ihre Partie in der 5. Runde doch bitte ordnungsgemäß zu spielen, dazu hinreißen ließen dem Turnierleiter ein fingiertes Remis-Ergebnis zu melden. Nach der folgerichtigen 0-0 Wertung der Partie stiegen beide prompt aus dem Turnier aus. Hierzu sei gesagt, dass so ein Verhalten vielleicht in ihren eigenen Vereinen toleriert wird, ich es allerdings für Gäste bei einem Turnier eines anderen Vereines als Frechheit bezeichnen würde.

Der Rest der Spieler ließ sich davon allerdings nicht beirren und spielte munter die restlichen Runde zu Ende. Helmut Goepel konnte anscheinend gar nicht genug vom Figuren schieben bekommen und überlegte kurz, eine "Rückrunde" anzukurbeln ;) Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Gästen für das Kommen bedanken und hoffe, dass ich viele davon im Berliner Schachzirkus wiedertreffen werde.

Abschließend sei hier die Abschlusstabelle des Turnieres aufgeführt. Weitere Turniertabellen und Paarungen werden demnächst auf der Website des Schachklubs Tempelhof veröffentlicht.

Jan Engelmann (Spielleiter Schachklub Tempelhof 1931 e.V.)

 

Bearbeiter: | | Archiv: Verein SK Tempelhof | ID: 6110

Kategorie: Aus den Vereinen

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Kommentare

Kommentare

Robert Draheim am :

Zur sogenannten Unsportlichkeit von Dirk Paulsen und Dirk Maxion hätte ich mir mehr Details gewünscht, wenn sie schon im Bericht solch herausgehobene Erwähnung findet. Was erachtete der Turnierleiter denn als nicht ordnungsgemäßes Spielen?
In den FIDE-Regeln ist aufgelistet, unter welchen Umständen eine Partie mit Remis enden kann. Gab es Beschränkungen hinsichtlich Remis-Angeboten in der Ausschreibung? In der Ausschreibung vom 05.01.2020, veröffentlicht hier auf der Seite des Berliner Schachverbandes, kann ich jedenfalls keine Remis-Beschränkungen entdecken.
Womit begründet der Turnierleiter die Abänderung eines durch Remis-Vereinbarung entstandenen Ergebnis' von 1/2 - 1/2 auf 0 - 0.
In den FIDE-Regeln konnte ich nichts finden, was diesen Eingriff erlaubt.
Aufgrund der spärlichen Tatsachen, die der Bericht hergibt, stellt sich für mich die Frage, wer hier wirklich unsportlich gehandelt hat, Spieler oder Turnierleiter?

Jan Engelmann am :

Das erklär ich dir natürlich gerne.
Als sich alle zur Runde hinsetzten, deklarierte FM Paulsen schon lautstark "Remis", ohne dass ein Zug gespielt war.
Daraufhin ermahnte ich beide Spieler deutlich, sich doch bitte zu setzen und ihre Partie zu spielen.
Nachdem das nicht sofort zum gewünschten Erfolg führte, erwähnte ich deutlich, dass, wenn sie ihre Partie nicht "ordentlich" spielen würden, ich die Partie als 0-0 werten würde.
Ich gab die Bretter frei und während FM Maxion sich hinsetzte und wohl (nach seiner Aussage) den ersten Zug spielte, verließ FM Paulsen den Raum.
Ich warf immer mal wieder einen Blick von meinem Brett auf das Brett 1 und dort wurde offensichtlich nicht gespielt.
Als die Ergebnisse gemeldet wurden, sagte FM Maxion zu mir: "Und unsere Partie ist trotz allem Remis ausgegangen".
So meine Intelligenz zu beleidigen, finde ich relativ dreist und eine grobe Unsportlichkeit, genug Gründe um die Partie 0-0 zu werten.
Ich hoffe, das hat genug Licht in die Angelegenheit gebracht.

Jan-Daniel Wierzbicki am :

Die Agenda des Turnier, Zitat: [...] Ohne Startgeld und mit kleinen Sachpreisen sollte in freundschaftlicher (!!) Atmosphäre [...] interpretiere ich dahingehend, das hierunter die Gemütlichkeit zum Neujahr im Vordergrund steht.

Wenn also zwei langjährige Schachfreunde (Dirk Paulsen und Dirk Maxion) hierbei ein Kurzremis machen, würde ich dies unter dem Eingangs dargelegten NICHT zu eng sehen (und auch nicht jeden Paragraphen der FIDE-Regel rezitieren). Wie gesagt ein freundschaftliches (!!) Turnier, kein GCT-Blitzturnier wo es um 100.000 EUR geht, keine offizielle Meisterschaft wo es um Qualifiktaionen geht oder ähnliches.

Insofern sollte man der "Lockerheit", die man vorher angekündigt hat, dann auch einfach so ihren Lauf lassen! Nichts gegen den SKT, ist zum geschilderten Sachverhalt aber meine persönliche Meinung. Jan-Daniel Wierzbicki

Jan Engelmann am :

@Jan-Daniel: Freundschaftlich und locker heißt nicht, dass Spieler Ergebnisse ohne Spiel ausmachen können. Du vergisst das Wörtchen 'Turnier' in deiner Analyse. Es geht hier nicht nur um die FIDE- Regeln sondern vor allem um ganz normales Fair Play. Ein 'Kurzremis', wie du es nennst, sollte in keinem Turnier vorkommen. Es wurde kein einziger vollständiger Zug gespielt. Mir ist egal wie lange die beiden befreundet sind. Ich würde meinen, dass, wenn man befreundet ist, man gerne gegeneinander in entspannter Atmosphäre spielt. Jedenfalls tue ich das gerne und so war auch das Turnier gedacht. Ich muss beim Regellehrgang das Kapitel vergessen haben, das langjährigen Freunden Sonderrechte einräumt. Ich hatte den Eindruck, dass die gleichen Regeln für alle gelten.

Martina Skogvall am :

Grundsätzlich bin ich ja auch gegen abgesprochene Remisen. Jedoch ist es ehrlicher, neun Züge abzunudeln und dann Remis zu vereinbaren? Hier mit FIDE-Regeln und "Beleidigung meiner Intelligenz" zu argumentieren, und das in einem freundschaftlichen Turnier, in dem es um kaum etwas geht, finde ich unangemessen. Dirk und Dirk kennen sich ewig, und sie sind beide für Fairness bekannt! Hier die beiden stärksten Turnierteilnehmer aus dem Turnier zu kegeln - das ist die eigentliche Merkwürdigkeit.

Werner Berger am :

"Fair play" - was immer das sein soll - kann man nicht außerhalb des Regelwerks einfordern. Laut FIDE-Regel 5.3.2 kann Remis erst dann vereinbart werden, wenn beide Spieler mindestens einen Zug ausgeführt haben. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Schade, dass die Spieler das Eingreifen des Schiedsrichters provoziert haben. Wahrscheinlich wird sich der Schachfreund Paulsen bemüßigt fühlen, einen langatmigen Artikel über den Vorfall zu veröffentlichen.

Jonatan Schenk am :

Die FIDE-Regeln sind doch eindeutig: ein Remis kann nur vereinbart werden, wenn beide Spieler mindestens einen Zug gemacht haben (Regel 5.2.3). Wenn die Spieler trotzdem darauf bestehen, ohne zu spielen ein Remis zu vereinbaren, greift Regel 11.7/11.8, und sobald der Schiedsrichter das erkannt hat, hat er auch keinen Ermessensspielraum mehr, denn dort ist festgelegt, wie so ein Fall sanktioniert wird, nämlich mit Partieverlust für beide.

Natürlich kann man das als Spieler einfach verhindern, indem man eben ein paar Züge macht. Auch alle "Sofia-Regeln", die Remisvereinbarungen untersagen, kann man leicht umgehen, indem man eine entsprechende Remisvariante spielt (der SR wird wohl keinen Spieler zwingen können, eine schlechte Stellung zu spielen, anstatt das Remis durch Stellungswiederholung zu nehmen).
Das haben die beiden Spieler aber anscheinend nicht gemacht, sondern einfach ein Ergebnis gemeldet, das nicht gespielt wurde, und dann könnte der Schiedsrichter plötzlich wieder Ermessensspielraum haben - er könnte womöglich wegen Manipulationsversuchs und/oder Schiedsrichterverarschung den "Gummiparagraphen" 11.1 anwenden, womit ihm zusätzlich 12.9.8 oder 12.9.9 als mögliche Sanktionen zur Verfügung stünden...

Lars Vollbrecht am :

"Intelligenz lässt sich nicht am Weg, sondern nur am Ergebnis feststellen.“

Garry Kasparov

Andreas Lange (SCK) am :

Schachsport wird ohne Schach unsportlich. Die FIDE-Regel drückt das aus. Halbe Punkte ohne Leistung sind unfair den anderen Turnierteilnehmern gegenüber. Titelträger sollten dies wissen. Wenn Spieler keine Lust auf Schach haben, sollen sie auch einer Spaßveranstaltung fernbleiben.

Robert Draheim am :

Danke für die Aufklärung. Wenn nicht beide Spieler mindestens einen Zug ausgeführt haben sollten, scheint die Entscheidung formal richtig gewesen zu sein.
Ob sie bei solch einem Turnier angemessen war, ist wiederum eine andere Frage.
Vielleicht hilft beim nächsten Mal etwas mehr Gelassenheit. Regeln und Vorschriften generell sollen in erster Linie ein Hilfsmittel für ein gutes Miteinander sein.
Einen guten Turnierleiter und Schiedsrichter zeichnet nicht übermäßige Paragraphentreue aus, sondern Augenmaß und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen, anstatt selbst welche zu erschaffen.

Lars Vollbrecht am :

Der Teufel besucht Petrus und fragt ihn, ob man mal ein Fußballspiel Himmel gegen Hölle planen sollte.

Petrus hat dafür ein Lächeln übrig: "Glaubst du, ihr habt auch nur die geringste Chance? Alle guten Fußballspieler kommen in den Himmel: Pele, Beckenbauer, Müller, Maradonna, Ronaldo, Ballack,..."

Der Teufel lächelt zurück: "Aber wir haben die Schiedsrichter!"

Rabiega, Robert am :

Ich finde die Entscheidung völlig übertrieben.Es hätten für niemanden einen Unterschied ausgemacht, wenn man darüber hinweggesehen hätte.Ich habe so etwas zigmal bei Blitztunieren erlebt,egal was die Regel besagt.Ein Schiedsrichter sollte sich vor allen Dingen im Hintergrund verhalten. Das macht einen guten Schiedsrichter aus....

Jan Engelmann am :

@Robert Rabiega: Ich finde es schade, dass besonders jemand wie Sie, der auf einem so hohen Level spielt, die Funktion des Schiedsrichters so grundlegend falsch versteht. Die Funktion des Schiedsrichters ist es, darauf zu achten, dass die Regeln von allen Spielern eingehalten werden um einen fairen Wettkampf für alle Spieler zu garantieren.
Zu sagen: 'Wir haben das schon immer so gemacht und der Schiedsrichter soll gefälligst die Klappe halten und die Regeln missachten' finde ich als Argument ziemlich traurig.
Glauben Sie mir bitte, wenn ich sage, dass das Ergebnis nicht meine präferierte Wahl war. Ich hätte es auch lieber gehabt, wenn das Turnier normal weiter gelaufen wäre.
Aber wenn man mit solch einer Selbstverständlichkeit und Respektlosigkeit die Regeln und 2 Warnungen des Schiedsrichters missachtet, dann sehe ich mich leider zu dem Nullen des Ergebnisses gezwungen.
Wenn Ihre Einstellung zur Einhaltung der Regeln allerdings augenscheinlich von so vielen (vor allem leider auch hochklassigen) Spielern hier geteilt wird, dann kann man erahnen, woher diese Selbstverständlichkeit kommt.

Andreas Lange (SCK) am :

Den "schwarzen Peter" darf man nicht dem SR zuschieben. Was hier verlangt wurde, waren unfaire Sonderregeln für Einzelne. Wer kein Schach spielt, und sei es nur einen einzigen Zug, bekommt auch keine Punkte. Eigentlich logisch.
Sekt gibt es überall im 24/7 verfügbaren Getränkehandel. Mit dem Hinweis auf früheres meisterliches Schachspiel wird man auch dort wohl keine Flasche gesponsert bekommen.
Aus dem Vorwort der FIDE-Schachregeln: "Die Schachregeln setzen voraus, dass Schiedsrichter das notwendige Sachverständnis, gesundes Urteilsvermögen und absolute Objektivität besitzen." Jan Engelmann hat dies in einer SR-Prüfung bewiesen. Ich vertraue, gegen alle geäußerten Meinungen, auf seine angemessene und für mich nachvollziehbare Bewertung der Situation.
Andreas Lange (SCK), RSR.

Jan-Daniel Wierzbicki am :

Bei all der (korrekten) Regeldarlegung, darf im Zuge dieser Diskussion immer noch nicht die ursprüngliche Intension der Veranstaltung vergessen werden. Ich wiederhole noch mal:

Ohne Startgeld, mit kleinen Sachpreisen, ein gemütliches Zusammensein in freundschaftlicher Atmosphäre, wo ein Wohlgefühl zum Neujahr klar im Vordergrund steht (so war es sinngemäß vom SKT avisiert worden).

Das in der Schachbundesliga, bei der BMM, bei einem x-beliebigen Open und ähnliches Regeln gelten, die einzuhalten sind, steht doch hier völlig außer Frage (darüber brauchen wir nicht zu diskutieren).

Wenn ich jedoch zu meinem Geburtstag ein gemütliches Schachturnier unter Freunden veranstalte, besteht gewiss kein einziger Teilnehmer darauf hier die FIDE-Paragraphen akribisch genau bis zum letzten Absatz einzuhalten! (dann wäre ich in den nächsten Jahren auch alleine auf meiner Geburtstagsfeier!)

Fazit: Wenn SO (!!) lockere Turniere in freundschaftlicher Atmosphäre ablaufen sollen, was für eine Atmosphäre herrscht dann dort in regulären Turnieren!

Zwei sehr starke Spieler (die sich seit Jahrzehnten und dies können mit Sicherheit hunderte von Schachfreunden bezeugen im Turniersaal immer fair, freundlich und korrekt verhalten haben) werden "vergrault" und werden dieser Veranstaltung mit Sicherheit so bald nicht mehr beiwohnen. Dies kann weder im Sinne des SKT noch der übrigen dort anwesenden Schachfreunde zielführend gewesen sein!

In diesem Sinne wäre eine Zurückhaltung und Toleranz bei dieser Veranstaltung wohl die bessere Wahl gewesen!

Rabiega, Robert am :

Ich kenne viele Schiedsrichter und habe immer die nötige Achtung vor ihnen.Es geht mir um das nötige Fingerspitzengefühl.Hat sich denn während der Runde irgendein Spieler beim Schiedsrichter über diese " skandalöse "
Remisabsprache beschwert??? Muss der Schiedsrichter so handeln oder verliert er ansonsten seine Lizenz?Hätte eine erhobener Zeigefinger nicht gereicht?Die Sache hätte man an auch ganz entspannt angehen können. Hoffentlich haben die Herren Paulsen und Maxion ihre Lektion auch gelernt.Ansonsten möchte ich festhalten,dass ich gerade diesen beide Spieler als untadelige Sportsmänner schätzen gelernt habe.

Georg Adelberger am :

Zweischneidige Sache, wie ich finde. Die Aufforderung "Spielt, sonst Null" ist in diesem Rahmen unangemessen, da setzt sich der geschätzte Kollege etwas zu sehr in Szene.

Umgekehrt: ist es so unzumutbar, sich dann in Gottes Namen brav ans Brett zu setzen, 3x Springer rein, Springer raus zu ziehen und dann zum gemütlichen Teil überzugehen?

Ich mag das als Schiedsrichter auch nicht, wenn ich entscheide, und der Betroffene diese Entscheidung einfach ignoriert. Oder mit Abbruch der Veranstaltung / "Ich komme nie wieder" droht.

André Buttkus am :

Das fiktive Geburtsagsturnier ist dann so: Alle Spieler sind gut befreundet, kennen sich viele Jahre und einigen sich auf Remis.

Andreas Lange (SCK) am :

Die Abweichung von einigen FIDE-Regeln ist bei Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, üblich.
"Der erste falsche Zug verliert" entspricht nicht der aktuellen FIDE-Regel (beim ersten Mal nur noch Zeitstrafe). Um absichtlich falsch gespielten Zügen zur Gewinnung von kostenloser Bedenkzeit entgegen zu wirken, wird diese (hoffentlich bald wieder abgeschaffte) Regel von Schiedsrichtern und Spielern bei Blitz-und Schnellturnieren in den Vereinen in keinem mir bekannten Fall unterstützt. Die Ausführung eines Strafzuges mit dem König wurde jedoch auch in einer Partie mit langer Bedenkzeit auf Bundesliga-Ebene schon von einem Spieler gefordert. Mangelnde Regelkenntnis auf hohem Niveau.
Beim Spaß-Blitz der Schachfreunde Berlin 1903 werden Bretter gedreht oder Figuren ändern ihre Gangart. Lustig!
Das FIDE-Verbot während des Turniers Alkohol zu konsumieren wird nicht geahndet, wenn dies allgemeiner Konsens ist. Dieser Punkt ist jedoch schon von Spielleitern (nicht erst Schiedsrichtern) kritisch zu sehen, wenn z.B. der Jugendschutz oder die Anwesenheit "trockener Alkoholiker" Nachteile für einzelne Spieler erkennen lassen.
In einem Fall, in dem ich in Kreuzberg ein Monats-Schnellturnier schiedsrichterte, konnte ich in gleichgearteter Situation zwei Spieler mit der nachdrücklichen Darlegung der Regel und ihres Sinns zurück an das Brett bringen und einen Zug ausführen lassen. SR wollen das Schachspiel unterstützen, nicht das Nichtschachspiel.
Wenn aber dem eingesetzten und uneigennützig tätigen SR absichtlich und uneinsichtig auf die Finger geklopft wird, endet das Fingerspitzengefühl. Das Verhalten der Spieler in diesem Einzelfall war weder untadelig noch sportsmännisch. Schachanfänger wissen nichts von bestehenden jahrzehntelangen Freundschaften. Der SR schützt solche Anfänger vor irritierenden Beispielen. Wenn ein Spieler sich zu einem neuen Turnier anmeldet, muss er seine Spielstärke auch in jeder einzelnen Partie neu unter Beweis stellen. Das ist der Zweck jedes Turniers.
Privaten Schachturnieren OHNE SR widerspreche ich nicht. Da darf der befreundete Gegner auch gern einmal folgenlos einen unmöglichen Zug zurücknehmen, etc.
Nicht zu vergessen: Glückwunsch an Adis!

Jan Müller am :

Zumindest einer der Spieler scheint ja einen Zug ausgeführt ("Ich gab die Bretter frei und während FM Maxion sich hinsetzte und wohl (nach seiner Aussage) den ersten Zug spielte, verließ FM Paulsen den Raum.") und insofern keine Regelverletzung begangen zu haben!?

Andreas Lange (SCK) am :

Für in den FIDE-Regeln wenig Bewanderte scheinbar +-. Aber die FIDE-Regeln 11.1, 11.2.3.1, 11.6, 11.7, 11.8, 12.2.1, 12.2.2, 12.2.5, 12.2.7 und 12.9.6 greifen hier. Kann man mal lesen.

Andreas Lange (SCK) am :

Nach der Schilderung wurde speziell gegen FIDE-Regel 5.2.3 verstoßen, denn Übereinkünfte auf Remis können nur während einer Partie getroffen werden, nicht davor.

Andreas Lange (SCK) am :

Die angegebene Regel 12.2.7 greift nicht, da sie nur Schummeln mit elektronischen Hilfsmitteln bekämpft, nicht sonstige Spielabsprachen; aber Regel 12.3 kommt dazu (Durchsetzung von Entscheidungen).

Adrian Sitte am :

Wie Andreas Lange richtig bemerkt war das Verlassen des Turniers eine weitere Unsportlichkeit, die hier noch gar nicht diskutiert wurde.
Übrigens haben sich bei mir andere Spieler beschwert, dass sie, im Gegensatz zu mir, gegen die FMs spielen mussten und ich dadurch einen Vorteil gehabt hätte.
Als Teilnehmer fand ich die ganze Situation unschön. Ich hatte mich schon auf die Partien gegen die beiden Dirks gefreut. Die Situation hätte sich bestimmt klären lassen, wenn beide Seiten weniger emotional reagiert hätten.

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