Nachschlag zum Lichtenberger Sommer - Schachtourismus

Peter Weiss
Konstantin Bazarov

Beim Turnier in Karlshorst gab FIDE-Meister Konstantin Bazarow aus Moskau im vergangenen Monat sein Debüt und belegte auf Anhieb Platz 5. Jetzt schickte er seine Eindrücke und eine kommentierte Partie, auch ein Zeichen dafür, wie attraktiv der Lichtenberger Sommer für ausländische Schachfreunde ist. Die Übersetzung besorgte Dr. Klaus Kapr (SC Friesen-Lichtenberg).

Schachtourismus

Frank Hoppe
GM Arik Braun und Konstantin Bazarov beim Abschlußblitzturnier im "en passant"

Die meisten Spieler in der Welt betrachten sich nicht als Profi. Aber viele von denen, die Schach lieben, spielen oft in verschiedenen Wettbewerben. Und wenn man die Teilnahme an Turnieren mit Reisen in verschiedene Städte und Länder verbindet, ist es möglich, seinen Urlaub mit dem Nutzen zu kombinieren, eine Menge positiver Emotionen zu bekommen.

Ich fing seit dem Jahr 2000, mit 17 Jahren, an, aktiv zu Schachturnieren zu fahren. Meine erste Reise nach Volgodonsk zum Festival "Friedliches Atom" zeigte, dass es möglich war, in einem sehr starken "Schweizer" zu spielen und 4 Punkte aus 9 zu erzielen. Damals gab es in Russland eine schwierige politische Situation aufgrund von Aufsehen erregenden Terroranschlägen und der angespannten Lage im Nordkaukasus. Wir fuhren im Bus über Rostov nach Volgodonsk.

Am Bahnhof gab es viele Polizisten, und bei fast alle Besuchern wurden die Reisepässe geprüft und sie wurden nach dem Zweck der Reise befragt. In Volgodonsk wohnten wir in der Nähe der Stelle, wo das Wohnhaus in die Luft gesprengt worden war. Es gelang mir nicht nur, mich gut zu erholen, sondern auch, die ersten Kampferfahrungen in einem starken Turnier zu sammeln. Seitdem sind die Jahre vergangen, und ich war im Ausland bei Turnieren in Bulgarien, den Niederlanden, Serbien, Tschechien, Frankreich, jedes Mal gab es die Kombination von Urlaub und Schach.

In diesem Jahr zog mein Freund nach Deutschland. Wir vereinbarten, dass ich ihn besuche, nachdem wir vorher im Internet ein Schachturnier gefunden hatten. Vom 15. bis 23. August fand in Berlin der Lichtenberger Sommer 2015 statt. In dem Wettbewerb spielten 244 Schachspieler, darunter Vertreter aus Deutschland, Frankreich, Kroatien, Norwegen, Litauen, Ukraine, USA, Russland und anderen Ländern. Auf der Startliste war ich auf dem 11. Platz, und ich wollte nicht nur um die Preise kämpfen, sondern auch, soweit möglich, mein Rating zu verbessern.

Wie so oft in einem teilnehmerstarken „Schweizer" führte die Mehrheit der Teilnehmer mit niedrigen Wertungen einen harten Kampf bis zum Ende. Einige der Favoriten verloren Punkte aus heiterem Himmel, weil sie die Varianten nicht zu Ende berechneten oder für übermäßigen Kampfeseifer in remislichen Stellungen bestraft wurden. Ich spielte nur mit Deutschen, die nicht Russisch sprechen. Auf Deutsch, war es schwer, mit den Gegnern zu kommunizieren, weil nach der Schule und Universität viel Zeit vergangen war.

In der 8. Runde, traf ich auf Philipp Lerch - einem jungen Mann, der in Berlin an der russischen Schule lernt. Nach dem Spiel, in dem ich in der Lage, ein Turmendspiel mit Minusbauer zu halten, tauschten wir Eindrücke über die Partie aus. Seltsamerweise, noch während des Endspiels am Brett, erinnerte sich mein Gegner an die Analysen von Dworetzki in ähnlichen Stellungen und versuchte, zu gewinnen. Der 17-jährige Spieler erzählte mir, dass er mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen war.

Bald wird Philipp Lerch in der 2. Liga der Klubmeisterschaft in Deutschland spielen, und es scheint mir, dass dieser Spieler mit einem Rating von 2302 ein starker Großmeister oder Meister werden könnte. Philipp hat zur Zeit keinen Trainer, er beschäftigt sich selbständig mit Schach. Er hat mich darauf hingewiesen, dass viele Migranten aus den GUS-Staaten in Berlin leben. So spielte in unserem Turnier Sergej Kalinitschew, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt.

Vor dem Turnierabschluss war ich auch in der Lage, mit einem Spieler aus der Ukraine zu kommunizieren, der heute in der Region Belgorod lebt. Wir tauschten uns über die Ereignisse im Süd-Osten der Ukraine aus. Er ist ein Unterstützer der Position, dass es notwendig sei, den Donbass von der Ukraine zu trennen, um Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu entwickeln ...

In dem Turnier, erzielte ich 7 Punkte aus 9 und aufgrund der hohen Buchholzwertung belegte ich den 5. Platz. Ich zeige den Lesern meine beste Partie aus der 7. Runde.

Ich konnte einige der Sehenswürdigkeiten von Berlin sehen: das Brandenburger Tor, den Reichstag, den Treptower Park, das DDR-Museum, das Spree-Ufer und andere. Eines Tages gingen wir im Stadtzentrum spazieren, wir passierten das Haus, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel lebt. Rund um das Gebäude gab es nur zwei Polizeibeamte! In der Hauptstadt von Deutschland beeindruckt das bequeme Transport-System, weil es rund um die Uhr funktioniert. Aus jedem Stadtteil kann man die Innenstadt mit der U-Bahn, S-Bahn, Straßenbahn oder dem Bus in weniger als 1 Stunde erreichen. Im öffentlichen Transport gibt es keine Drehkreuze, aber die Strafe für ticketloses Fahren beträgt 40 Euro. In Berlin sieht man auf den Straßen viele Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten.

Es war eine erlebnisreiche Reise, ich konnte ein wenig Urlaub machen und die Hauptstadt von Deutschland kennenlernen. Ich denke, Berlin ist gut geeignet für Schach-Tourismus. Und sehr bald kommen die besten Spieler aus verschiedenen Ländern hierher zur Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Schnell- und Blitzschach.

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Konstantin Bazarov

Bearbeiter: | | Archiv: BSV - Nachrichten | ID: 1850

Kategorien: Aus den Vereinen, Presse

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