Weihnachtsgrüße des Präsidenten - Rückblick und Ausblick auf 2024
Zu Beginn dieses Jahres hatten wir etwas mehr als 2900 Mitglieder. Stand heute sind es 3239. Auch wenn zum Jahresende sicherlich noch einige übliche Abmeldungen erfolgen wären, freut es mich außerordentlich, dass wir so stark wachsen. Zu großen Teilen ist dieses Wachstum auf Anmeldungen im Kinder- und Jugendbereich zurückzuführen. Es sind knapp 40% unserer Mitglieder unter 25, was zeigt, dass wir uns um die Zukunft des Schachsports in Berlin nicht zu sorgen brauchen, im Gegenteil. Der Verdienst hierfür liegt in erster Linie bei den vielen in den Vereinen engagierten Jugendwarten, Trainerinnen- und Trainern sowie den Funktionär*innen der Berliner Schachjugend. Es gibt kaum eine Arbeit, die so aufwendig ist wie die kontinuierliche Kinder- und Jugendarbeit. Dafür gilt euch allen mein persönlicher Dank sowie der Dank des Berliner Schachverbandes.
Die Nachfrage an Schulen und bei den Vereinen ist aber inzwischen so groß, dass diese teilweise kaum noch bedient werden kann. Umso wichtiger sind die Trainerausbildungsangebote. Als Berliner Schachverband haben wir erfolgreich am „ReStart-Programm“ des Deutschen Olympischen Sportbundes teilgenommen. Die mehreren tausend Euro die wir dort für unsere Trainerausbildung bekommen haben, ermöglichten es uns, die diesjährige Trainerausbildung nicht nur unter besonders guten Bedingungen auszurichten, sondern die Ausbildung die sonst mehrere hundert Euro kostet so günstig wie nie anzubieten. Mein Dank hierfür gilt an unseren Ausbildungsreferenten und Ehrenpräsidenten Carsten Schmidt, der die Ausbildung organisiert und durchgeführt sowie mich fachlich bei der Antragsstellung unterstützt hat, sowie unsere Geschäftsstellenleiterin Bettina Bensch, die den signifikanten bürokratischen Aufwand in der Abrechnung beim DOSB perfekt gehandhabt hat.
Wie oben beschrieben ist die Jugendarbeit unserer Vereine und Trainer*innen in der Breite stark. Aber auch in der Spitze brachte sie dieses Jahr erneut herausragende Erfolge hervor. In der U14 sowie in der U14w wurden mit Havard Haug von Borussia Lichtenberg sowie Veronika Lorenz von der TSG Oberschöneweide zwei Berliner*innen Deutsche Meister. Außerdem konnten sich sieben Spieler*innen in den Top 10 ihrer Altersklassen platzieren.
Bei der Deutschen Vereinsmeisterschaft 2022 konnten der SV Königsjäger Süd-West in der U16w, SC Borussia Lichtenberg in der U16 und SV Empor Berlin in der U12 die Deutsche Meisterschaft feiern! Drei von acht Altersklassen wurden von Berliner Teams gewonnen, was sensationell war! Die U12w von Weisse Dame die Deutsche Vize-Vereinsmeisterschaft feiern. Die U10 von Borussia Lichtenberg errang Bronze, ebenso wie die U16w des SC Weisse Dame. Insgesamt qualifizierten sich von SC Kreuzberg, Borussia Lichtenberg, Schachfreunde Nord-Ost, SV Königsjäger Süd-West, SC Weisse Dame, TSG Oberschöneweide, SV Empor Berlin und TuS Makkabi Berlin 17 Teams aus acht Vereinen für die DVM 22.
Nicht nur ist jeder Einzelne dieser Erfolge herausragend. Dass aber so viele verschiedene Vereine in der Lage sind, bei Bundeswettbewerben so gut abzuschneiden, ist einfach nur großartig.
Zu guter Letzt war unsere Jugend auch international vertreten. Wertvolle internationale Erfahrung sammeln konnten Jakob Grimm bei der EM U8, Veronika Lorenz bei der EM und WM U14w und Coco Lepu Zhou bei der EM U16w.
Den Vogel abgeschossen hat allerdings Magnus Ermitsch. Seit dieser Saison spielt er zwar zur Förderung der weiteren sportlichen Entwicklung in Kiel und nicht mehr bei Borussia Lichtenberg, gefreut haben wir uns aber natürlich trotzdem über seine Vizeweltmeisterschaft in der Altersklasse U14. Es hat sogar nicht viel für den WM-Titel gefehlt, aber Silber bei der WM ist natürlich auch überragend!
Als Berliner Schachverband möchten wir auch hier einen stärkeren Beitrag leisten, diese tolle Arbeit zu unterstützen. Deswegen haben wir für dieses Jahr die Kadertrainings im Haushalt finanziell gestärkt und sind auch froh, über die starken Kadertrainer, die wir hierfür fest gewinnen konnten. Mittelfristig bemühen wir uns weiterhin um eine Förderung des Landessportbundes für einen festen Landestrainer. Da es bis hierhin allerdings noch ein weiterer Weg ist, bin ich froh, dass wir zunächst einmal einen ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht haben. Unser Leistungssportreferent Fabian Jahnz ist hier für die Umsetzung und die positive Entwicklung verantwortlich. Danke Fabian!
Der Frauen-Bereich ist in diesem Jahr nach längerer Corona-Pause wieder richtig zum Leben erwacht. Für die Frauen-Einzelmeisterschaft haben wir erstmals ein erhöhtes Preisgeld ausgelobt sowie ein offenes Format gewählt, was auch von Brandenburger Schachfreundinnen direkt genutzt wurde. Das Engagement von Helen Raab und Brigitte Große-Honebrink hat sich mit insgesamt 18 Teilnehmerinnen und einem schönen und auch der Spitze gut besetzten Turnier mehr als bezahlt gemacht. Paula-Alexandra Gitu gewann das Turnier, Malina Lange wurde Berliner Meisterin. Auch die Frauen-Schnellschach-Meisterschaften mit 14 Teilnehmerinnen und Frauen-Blitzschach-Meisterschaften mit 12 Teilnehmerinnen fanden dieses Jahr wieder schöne, würdige Rahmen. Mit Rotation Pankow und dem SC Kreuzberg spielen aktuell zwei Berliner Teams in der zweiten Frauenbundesliga Ost, mit Borussia Lichtenberg, Königsjäger Süd-West und erstmals SV Mattnetz drei weitere Teams in der Frauenregionalliga Ost. Zudem überlegen wir aktuell, erstmals eine Berliner Landesliga in einem Wochenendturnier auszuspielen. Von der Saison 2016/2017 bis zur Saison 2021/2022 war Rotation Pankow das einzige Berliner Team im Frauenspielbetrieb, weshalb diese Entwicklung extrem positiv ist und mein Dank den vielen Vereinen gilt, die sich den Sprung in den Frauenspielbetrieb getraut haben!
Helen Raab musste ihre Position als Frauenreferentin aus persönlichen Gründen leider aufgeben. Sie hat tolle Arbeit geleistet und dies auch bei der Suche ihrer Nachfolgerin Emma Kohler, die sie auch gut eingearbeitet hat, nochmals unterstrichen. Gemeinsam mit Brigitte Große-Honebrink führt Emma diese Arbeit fort und hat bereits einen großen Teil der Planungen fürs neue Jahr vorgenommen.
Der Berliner Schachverband hat dieses Jahr Geld in die Hand genommen, um weiteres Spielmaterial zu erwerben, das wir den Vereinen sowie der Schachjugend für ihre Turniere und Open zur Verfügung stellen können. Ralf Ettel leistet als Materialwart weiterhin präzise und sehr, sehr zuverlässige Arbeit und hat auch alle Umzugsstrapazen zu Beginn des Jahres in die neue Geschäftsstelle perfekt gemeistert. Ralf ist eines von vielen Beispielen für wichtige Arbeit, die unheimlich wertvoll ist, aber leider häufig erst besonders auffällt, wenn sie nicht mehr erledigt wird. Lieber Ralf, vielen Dank für deinen unermüdlichen Einsatz! Und für alle Vereine: Wenn ihr Material für eure Veranstaltungen oder Turniere braucht, zögert nicht, euch an uns zu wenden. Dafür haben wir das Material in der Geschäftsstelle!
Wir haben auch nicht die Augen vor den (Schach-)Krisen dieser Welt verschlossen. Anlässlich des 1. Jahrestages des russischen Überfalls auf die Ukraine haben wir ein Solidaritätssimultan mit Großmeister Zahar Efimenko durchgeführt und eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit Peter Heine Nielsen, Shohreh Bayat und Malcolm Pein durchgeführt, über die u.a. auch die Deutsche Welle berichtete. Der Zustand der FIDE sowie der internationale Zustand der Schachwelt bleibt leider bedauerlich.
Zurück in Berlin haben wir uns in der Landesliga dieses Jahr für ein Experiment entschieden: Mehrere zentrale Runden sollen alle zehn Teams an einem Ort zusammenbringen. Das hat positive Reaktionen, aber auch Kritik ausgelöst. Wir haben beides wahrgenommen und werden das Ganze am Ende der Spielzeit bewerten. Dann werden wir in Ruhe schauen, ob und falls ja, wie wir die zentralen Landesligarunden in Zukunft fortsetzen werden.
Ein weiteres Experiment, das sich aber bewährt hat, ist die Aufnahme der Schachboxer in den Verband. Teams des Chess Boxing Club Berlin nehmen immer mal wieder an Veranstaltungen des BSV teil und auch Spielerinnen und Spieler des CBCB nehmen die rein schachlichen Angebote immer wieder wahr. Darüber hinaus erringt der CBCB aber auch in seiner Kerndisziplin des Schachboxens beeindruckende Erfolge. So hat Alina Rath u.a. ihren Weltmeistertitel verteidigt! Einen ausführlichen Bericht zur letzten Schachbox-WM findet ihr hier.
Mehrere neue Highlights des Berliner Turnierkalenders wurden 2023 etabliert. Der SV Königsjäger Süd-West hat im Herbst das 1. Berlin U25-Open auf die Beine gestellt. Dies war nicht nur das deutsche Open mit dem höchsten Preisfonds des Jahres, sondern auch eine schöne Gelegenheit für viele Berliner und deutsche Talente, ein stark besetztes Turnier mitzuspielen. Unter der Ägide von Jonathan Born und Carsten Haase mit vielen Helfer*innen der Königsjäger war die Erstausgabe ein voller Erfolg. Der Verein plant bereits an der zweiten Auflage im Jahr 2024, sodass es aktuell so aussieht, als ob sie hier einen echten Leuchtturm der deutschlandweiten Openlandschaft in Berlin errichten!
Ebenfalls fand 2023 erstmals das Schach960-Festival in Berlin statt, von der Schach960-Stiftung in Kooperation mit dem SC Kreuzberg ausgerichtet. Mit mehreren Weltklassespielern sowie Nationalspielern war dieses Turnier top besetzt. Und 2024 wird es erneut in Kreuzberg stattfinden, dann sogar als allererste offizielle Deutsche Meisterschaft im Schach960!
Außerdem haben zwei Traditionsopen in 2023 endlich ihre lang ersehnte Fortsetzung gefunden. Das seit 1980 ausgetragene Kurt-Richter-Gedenkturnier fand nach Corona-Pause mit neuem Modus und 86 Teilnehmer*innen endlich wieder statt. Der Lichtenberger Sommer wurde kurzfristig in neuen Räumen wieder ausgerichtet und war trotz der Kurzfristigkeit mit fast 200 Teilnehmer*innen ebenfalls ein voller Erfolg und kann sich 2024 mit der 20. Ausrichtung auf eine Jubiläumsausgabe freuen!
Ein Großprojekt an dem wir arbeiten, ist die Ausrichtung des Deutschen Schachgipfels im Jahr 2024. Wir haben ein konkretes Angebot für das Hotel Estrel Berlin, in dem wir hervorragende Bedingungen und einen schönen, großen Spielsaal für einen Schachgipfel hätten. Allerdings ist die Finanzierung aktuell von der Zustimmung der Stadt Berlin zu einem Förderantrag abhängig, den wir gemeinsam mit dem Deutschen Schachbund gestellt haben. Wenn nicht plötzlich noch Sponsoren oder Gönner für die Finanzlücke von mehreren zehntausend Euro auftauchen, wird die Entscheidung über diesen Förderantrag durch die Stadt Berlin Mitte/Ende Januar bestimmen, ob der Schachgipfel 2024 in Berlin stattfinden kann.
Unsere Berliner Meisterschaft bleibt weiterhin ein voller Erfolg, in der Spitze stark besetzt und auch mit zahlreichen jungen Talenten gespickt, erfüllte sie die Zielsetzung voll und ganz. Durchsetzen konnte sich Robert Baskin, als Vizemeister vertrat ihn Raphael Lagunow bei der Deutschen Meisterschaft. Hier kämpfte er bis zum Schluss um die Qualifikation fürs German Masters 2024, die er nur knapp verpasste. Sein vierter Platz war trotzdem ein hervorragendes Ergebnis.
Für die Deutsche Einzelmeisterschaft gibt es ab 2024 übrigens auf unseren Antrag hin eine wichtige Änderung. Das German Masters wird endlich zur Meisterklasse der Deutschen Einzelmeisterschaft, der Berliner Meister wird sich in Zukunft für die Kandidatenklasse der Deutschen Einzelmeisterschaft qualifizieren, in der weiterhin zwei Plätze für das Rundenturnier der Besten ausgespielt wird. Mein Dank geht hier nicht nur an die Mehrheit des Bundeskongresses des Deutschen Schachbundes, sondern insbesondere auch an Carsten Haase, der nicht nur hervorragende Arbeit als Schiedsrichterreferent des Berliner Schachverbandes leistet, sondern auch unser Anliegen auf dem Buko gut vertreten und damit erst die knappe Mehrheit für diesen Antrag gesichert hat.
Gerade in der Weihnachtszeit ist es wichtig, unserer Toten zu Gedenken und sich an jene zu erinnern, die nicht mehr in unserer Mitte weilen. Stellvertretend für unsere Toten sei hier an Manfred Rausch erinnert. Der unermüdliche Macher des SK König Tegel hat eine große Lücke hinterlassen. Bei seiner Beerdigung konnten wir allerdings auch Zeuge dessen werden, was er hinterlassen hat. Eine große (Schach-)Gemeinschaft kam zusammen, um ihn das letzte Geleit zuteil werden zu lassen, eine Gemeinschaft, die er im wesentlichen aufgebaut hat. Für sein Verein SK König Tegel, sein Lebenswerk, hat er eine Stiftung geschaffen, die die Zukunft des Vereins finanziell auf feste Beine stellt und mit dem neuen Vorsitzenden Robert Rabiega und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern bin ich mir sicher, dass sein Lebenswerk in guten Händen ist und würdig fortgesetzt wird.
Ich bin dankbar für die vielen Menschen, die den Berliner Schachverband und das Schachleben in Berlin tragen und ich bitte darum es mir nachzusehen, dass ich nicht alle nennen kann. Besonders hervorheben möchte ich meinen Vize Bernhard Riess, nicht nur, weil er natürlicherweise mein erster und engster Ansprechpartner für alle Ideen, Sorgen und Probleme ist, sondern einer der unermüdlichsten und zuverlässigsten Arbeiter unseres Verbandes ist, ein echter Tausendsassa. An zweiter Stelle Kai-Uwe Melchert, der ein echter Glücksgriff für unseren Verband war. Nicht nur lässt er all seine Erfahrung auf der Position des Landesspielleiters einfließen und wirkt bereits so, als ob er den Job schon ewig machen würde. Auch als wir kurzfristig Ersatz auf der Schatzmeisterposition gesucht haben, war er sofort zur Stelle und vertritt diese Funktion aktuell mit derselben Zuverlässigkeit und Präzision. Als drittes unsere Geschäftsstellenleiterin Bettina Bensch, die in ihrer hauptamtlichen Tätigkeit und mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung eine wichtige Stütze und regelmäßige Ratgeberin in vielen Fragen des Alltags ist. Und last but not least unsere Ehrenamtlichen und die Vereine, die nicht nur das Berliner Schachleben an der Basis tragen, sondern auch uns das Vertrauen geschenkt haben, einer Beitragserhöhung um sechs Euro mit großer Mehrheit zuzustimmen. Damit stellt ihr die finanzielle Zukunft des Verbandes mit ihren Beiträgen auf eine solide Basis. Das ist nicht selbstverständlich. Vielen Dank!
Mit Blick auf das Jahr 2024 sucht der Berliner Schachverband weiterhin Engagierte für die Verbandsarbeit. Wir brauchen leider erneut einen neuen Schatzmeister, den wir im Frühjahr auf dem Verbandstag neu besetzen wollen. Zudem suchen wir noch eine*n Referent*in für Social Media und wenn es jemanden gibt der oder die als Referent*in für Öffentlichkeitsarbeit mitzuwirken, wäre ich dankbar, wenn ich diese Position nicht mehr in Doppelfunktion ausüben müsste. Meldet euch bei Fragen gerne jederzeit bei mir.
Ich wünsche euch allen eine wunderbare Weihnachtszeit, einen guten Rutsch ins neue Jahr und freue mich darauf, viele von euch gesund und munter auf einer unserer Diversen Schachveranstaltungen wiederzusehen!
Paul Meyer-Dunker
Präsident
Kategorie: Präsidium