Offener Brief des Präsidenten

Veröffentlicht von Frank Hoppe am

BSV-Präsident Alfred Seppelt nimmt Stellung zu den Vorwürfen im Forum der Homepage. Ein offener Brief an den Vorsitzenden des SC Friesen, Wolfgang Hartmann, liegt mir zur Veröffentlichung vor ! Der Verbandstag am kommenden Dienstag verspricht spannend zu werden:

Offener Brief von Alfred Seppelt an Wolfgang Hartmann

SC Friesen Lichtenberg e.V.
Herrn Wolfgang Hartmann
Ringstr. 17 d
16321 Lindenberg

Berlin, den 14.3. 2002

Sehr geehrter Herr Hartmann,

leider haben Sie meinen Brief vom 26.2. 2002 nicht beantwortet. Dies ist allerdings bei  einigen Vorsitzenden des Stammtisches üblich, denn auch Jörg Schulz hat meinen Brief vom 18.6., in dem ich meine erneute Kandidatur für 2002 ankündigte, vollkommen ignoriert.

Eigentlich wollte ich mich auf die Diskussionen im Forum des BSV überhaupt nicht einlassen. Nach dem letzten Stammtisch-Gesprächen wurde ich aber von verschiedenen Seiten angesprochen, doch zu reagieren.

Ich muss leider feststellen, dass Ihre Berichte viel Unwahrheiten und Ungenauigkeiten enthalten. So habe ich niemals Gerd Borris fallengelassen. Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ich habe dem Präsidium Gerd Borris als Vize-Präsident vorgeschlagen, der bereit war, sich in dieser Position von mir einarbeiten und einführen zu lassen. Gleichzeitig bat ich Kai-Uwe Melchert nicht gegen Gerd Borris als Vize-Präsident zu kandidieren. Dann war ich doch sehr überrascht als Gerd Borris mir anläßlich der Beisetzung von Schachfreund Otto Christ ganz beiläufig sagte, dass er seine Meinung geändert habe und in einem eventuellen zweiten Wahlgang kandidieren werde. Da ich den Friedhof für einen ungeeigneten Ort für solche Gespräche hielt, bat ich ihn um einen Anruf, auf den ich bis heute vergeblich gewartet habe. Aus diesem Grund habe ich dann Kai-Uwe Melchert gebeten, doch zu kandidieren.

Auch in Ihrem Bericht vom Stammtisch am 6.3. gibt es Ihrerseits Behauptungen, die ich nicht stehenlassen kann. Sie schreiben z. B., dass unter meiner Präsidentschaft keine Zusammenarbeit mit der Lasker Gesellschaft und dem Betriebssportverband möglich ist. Tatsache ist, dass ich Herrn Wagner und Herrn Lücke vom Betriebssportverband Ende November 2001 zu einem Gespräch in die Geschäftsstelle eingeladen hatte, um die Möglichkeit einer verbesserten Zusammenarbeit zu besprechen. Herr Lücke kam und wir führten ein langes freundschaftliches Gespräch. Herr Wagner sagte kurzfristig aus Termingründen ab. Seine Mitarbeiterin, Frau Poldauf, wollte mir in wenigen Tagen einen neuen Terminvorschlag machen. Auf diesen warte ich heute noch.

Außerdem sprechen Sie von rapide sinkenden Mitgliederzahlen und wollen anscheinend den Mitgliederschwund mir anlasten. Sie verschweigen jedoch, dass es leider einen solchen Schwund in allen Mitgliedsverbänden des DSB gibt. Sollen nun überall dort die Präsidenten ersetzt werden ?

Auf jeden Fall werde ich auf dem Verbandstag an Herrn Borris und Sie die Frage stellen, welche konkreten Verfehlungen oder Mißstände Sie mir zur Last legen und welchen Schaden ich in den 26 Jahren meiner Arbeit dem Verband und den Vereinen zugefügt habe.

Noch nie ist auch die Frage erörtert worden, wie es in der Geschäftsstelle weitergehen soll, wo ich seit fast 20 Jahren täglich vormittags die ehrenamtliche Arbeit eines Geschäftsführers verrichte.

Vielleicht wirft mir Ihr Stammtisch vor, dass ich in den letzten Jahren nicht mehr so viel Gelder für den Verband herangeschafft habe, wie in den 16 Jahren des "Berliner Sommer", in denen es direkt oder indirekt um Millionen ging. Der "Berliner Sommer" brachte dem Verband nicht nur neue Mitglieder (nach eigener Aussage gehört auch Gerd Borris dazu), sondern auch erheblichen finanziellen Gewinn, der dazu führte, dass der Berliner Schachverband der einzige in Deutschland war, der 18 Jahre lang die Beiträge stabil halten konnte.

Vielleicht sind es leider nur noch ca. 10.000,-- DM, die ich Jahr für Jahr trotz fehlender Verträge in mühevoller und aufwendiger Arbeit für den Verband heranhole. Damit ist es möglich, Preise bei vielen Veranstaltungen des Verbandes auszusetzen, in diesem Jahr erstmals auch für die Jugend - und Seniorenmeisterschaften. Vielleicht aber haben Sie zahlungskräftigere Geldgeber. Auf dem Verbandstag wollten Sie aber hierzu offen Stellung nehmen, denn ansonsten drohen dem Verband finanzielle Einbussen.

Geradezu paradox aber halte ich es, dass mir von verschiedenen Seiten, auch aus Ihrem Kreis, immer wieder die Ehrenpräsidentschaft angeboten wird, obwohl ich doch angeblich eine schlechte Arbeit leiste. Unter normalen Umständen würde ich eine solche Ehrung sehr gerne annehmen, aber nicht, wenn die Mehrheit der Vereine mir das Mißtrauen ausspricht.

Auf meine Frage, wieso ich angeblich dem Verband Schaden zufüge, erhalte ich keine Antwort. Herr Madeja spricht immer nur von frischem Wind, der in das Präsidium kommen müsse. Soll dieser Wind all die Verbindungen hinwegwehen, die ich in vielen Jahren geknüpft und gepflegt habe ?

Was das Politiker-Turnier anbetrifft, so wird auch in diesem Jahr auf jeden Fall das Dutzend noch voll gemacht. Sollte ich wiedergewählt werden, werde ich die 12. Auflage gemeinsam mit Kai-Uwe Melchert organisieren. Sollte dies nicht der Fall sein, werde ich eines der vorliegenden Angebote annehmen und das Politiker-Turnier im Auftrag des DSB oder im Auftrag eines Wirtschaftsunternehmens durchführen. In diesem Zusammenhang ist doch recht bemerkenswert, dass Jörg Schulz vor einigen Wochen in Hannover vor dem Präsidenten des DSB Alfred Schlya und dem Geschäftsführer Herrn Metzing die Bedeutung für Berlin verneinte und in seinem jetzt vorliegenden Antrag genau das Gegenteil sagt.

Ich werde auf dem Verbandstag auf jeden Fall zum letzten Mal um das Vertrauen der Vereine bitten. Sollte es zur Wiederwahl kommen, werde ich wie bisher mit aller Kraft für den Verband und seiner Mitgliedsvereine tätig sein, wobei ich natürlich auch die Vereine, die mich nicht wählen - aus welchen Gründen auch immer - nicht ausnehme.

Ich werde den neuen Vize-Präsidenten einarbeiten und bei allen Gremien einführen in der Hoffnung, dass die langjährigen Verbindungen dem Verband nicht verlorengehen. Vor allem die Kontakte zur Bundesregierung, zum Berliner Senat und dem Landessportbund sind zur Zeit äußerst wichtig, denn bekanntlich hat der Berliner Landesrechnungshof die Förderungswürdigkeit des Schachsports auf den Prüfstand gestellt. Dies scheint mir im Interesse des Verbandes besonders wichtig zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

(Alfred Seppelt)

P.S.: Abschließend, lieber Schachfreund Hartmann, noch eine persönliche Bemerkung. Wir kennen uns seit ungefähr 12 Jahren und haben in dieser langen Zeit sowohl bei Friesen Lichtenberg als auch bei anderen Gelegenheiten zahlreiche freundschaftliche Gespräche geführt. Zu keinem Zeitpunkt haben Sie auch nur angedeutet, dass ich mangelhafte oder schlechte Arbeit für den Verband leiste. Obwohl Sie anscheinend Ihre Meinung jetzt geändert haben, haben Sie mit mir kein Gespräch gesucht, um über personelle oder sachliche Probleme des Verbandes zu reden.

Ich hoffe, dass Sie daher verstehen werden, dass ich über Ihre jetzige Haltung sehr enttäuscht bin.

Archiv: BSV-Nachrichten

Kategorien: Presse, Präsidium

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