| 4.Lichtenberger Sommer 2005 |
von Frank Hoppe
Turnierseite des SC Friesen
Schachspieler sind besonnene, friedfertige und ganz besonders ruhige Wesen. Zur Ausübung ihrer entspannenden Tätigkeit benötigen sie die Rücksicht ihrer Mitmenschen. So und nicht anders, könnte man den Aushang deuten, der mir am ersten Wochenende des Lichtenberger Sommer's ins Auge fiel.
Doch weit gefehlt ! Vielmehr wollte sich damit ein "abtrünniger Haufen" Schlafsuchender und -bedürftiger den nötigen Respekt verschaffen, um vor den herumziehenden und lärmenden Horden püppchenschiebender Gestalten ihre Ruhe zu haben.
Die Geschehnisse beim jüngsten Lichtenberger Schachsommer waren für die Entspannungskursler höchstens so interessant, wie das letzte Fußballergebnis von Müllschippe gegen Handfeger - also praktisch Null.
Umso mehr zog es mich am ersten (und für mich einzigen) Tag nach Lichtenberg, um ein paar Impressionen einzufangen und zahlreiche Hände zu schütteln. Wenigstens einmal dabei sein!
 |  | Der Untergang des zweifachen Berliner Meisters | |  |
 | | 1.Runde gegen Thorsten Kuhn | | Ulf von Herman - siegestrunken vom IM-Titel? | |
Ein ganz und gar fürchterliches Turnier spielte der Berliner Meister von 1999 und 2001 und FIDE-Meister Ulf von Herman. Höhepunkt war der grausame Abschluß mit ½ aus 4. Während der Woche erfuhr ich aber von seinem Nachbarn und Schachchef bei Gillette, Jörg Dippe, den wahrscheinlichen Grund für das Desaster. Nein - nicht die Nachbarschaft von Jörg, deren Wertungszahlen sich immer mehr annähern - auch wenn Ulf mehr dafür tut ...
Es ist Post gekommen vom Deutschen Schachbund. Ulf wird zum Internationalen Meister gekürt! Was dank meiner Hilfe auch bei Marco Thinius gelang - das Ausgraben alter Turniere mit "vergessenen" IM-Normen -, ist nun auch bei Ulf Wirklichkeit geworden, auch wenn das kritische Datum zur bedingungslosen Anerkennung (Juni 2005) bereits überschritten war.
Ein Blick auf das historische Ergebnis von Ulf (DWZ 2286)
Platz 113 (4 aus 9) mit folgenden Ergebnissen:
1 Weiß Thorsten Kuhn 1839
½ Schwarz Horst Strehlow 2010
0 Weiß Johannes Sondermann 2002
1 Schwarz Klaus-Peter Korell 1822
1 Weiß Alexander Meister 1989
0 Schwarz FM Klaus Zschäbitz 2086
0 Weiß Michael Blanck 1989
0 Schwarz Laurin Baumgardt 1888
½ Weiß Arno Gnass 1772
Turnierleistung 1890, DWZ-Verlust 79 Punkte ! Und ohne die offizielle DWZ-Auswertung vorwegzunehmen, sei gesagt, das dies das schlechteste Turnier von Ulf seit Einführung der DWZ war.
 | | Im Spiel der 1.Runde gegen Kreuzberg-Open-Sieger Atila Figura | | Dietmar Bunk wieder zurück in Deutschland. Neben ihm FM Wilhelm Schlemermeyer. | |
Mitte der 90er Jahre zog es den jetzt 38jährigen Dietmar Bunk ins Ausland. In Chile hatte er sich eine Internetfirma aufgebaut. Nur noch sporadisch ließ er sich in Deutschland blicken, tauchte in den vergangenen Jahren einige Male im "en passant" auf. Nun scheint er wieder in der Heimat seßhaft geworden zu sein. Vor kurzem meldete er sich bei der TSG Oberschöneweide an.
1995 spielte er noch für den SC Eintracht, Mitte der 80er zählte er beim Vorgängerverein Medizin mit mir zusammen zu den Leistungsträgern. Von seiner einstigen Spielstärke ist nicht viel übriggeblieben. Die Blitzduelle mit ihm und gegen seine extravaganten Varianten waren früher spannender. Heute kann ich darüber nur noch lächeln, wenn ein Duell mal wieder 9:1 oder 10:0 von mir gewonnen wurde. Zehn Jahre Wettkampfpause lassen sich nicht so einfach wegwischen.
Dietmar's Ergebnis
102.Platz mit 4½ aus 9. Seine DWZ vor dem Turnier: 1843 (von 1995)
0 Weiß Atila Figura 2296
0 Schwarz Rolf Bockelmann 1604
1 Weiß Gerd Berg 1503
1 Schwarz Felix Schwarz 1662
0 Weiß Hans-Jürgen Meißner 2213
0 Schwarz Günter Lieder 1658
1 Weiß Dirk Richter 1619
1 Schwarz Hermann Wege 1731
½ Weiß Alexander Grillich 1924
Turnierleistung 1801, 14 Punkte Verlust. Nach so langer Pause ein gutes Ergebnis.
 | | Runde 1 gegen Peter Schreiber | | Matthias Hahlbohm bezwang beim Unicorn-Open mit Schwarz GM Kalinitschew. Für einen weiteren GM-Skalp reichte es nicht. Auch wenn ich mit ihm vor dem Turnier flachste, GM Kritz wäre ein Kandidat. In Runde 2 unterlag Hahlbohm gegen Kritz! Neben Hahlbohm sitzt Felix Schwarz. | |
 | | Vor der 1.Runde | | Heidrun Bade - Ehefrau des Hauptschiedsrichters Uwe Bade - bereitet ihr Partieformular vor. Zwei Bretter weiter Dirk Sander. | |
 | | 1.Runde | | Janine Platzek, deren Freund Jan Bendzulla ebenfalls mitspielte, unterliegt GM Sergej Kalinitschew. Neben Platzek - die beste Spielerin wurde - sitzt IM René Stern, daneben Ralf Gebert. | |
 | | Runde 1 gegen Bernd-Walter Kliesch | | Vladimir Schilow - einer der stärksten titellosen Spieler Berlins. Neben ihm Andreas Pankratz. | |
Autoreninfo Frank Hoppe, Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.
BSV © 28.07.2006
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