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Hallo Schachfreunde! Ab sofort bei TSG Oberschöneweide jeden 2. und 4. Freitag im Monat ab 19.00 Uhr Training mit FM Rosenthal bzw. FM Postler. Gäste sind herzlich willkommen.

  Karl Helling

Lebensdaten

Deutsche Schachblätter Nr.17, 1.September 1937, S.257
Foto: Scherl
* 10.08.1904 Luckenwalde
† 15.08.1937 Berlin

Nachruf in Deutsche Schachblätter 1937

Eine Trauerkunde erreicht die deutschen Schachfreunde: Meister Karl Helling ist nach kurzem schweren Leiden am 15.August in Berlin plötzlich verstorben. Tief erschüttert stehen alle, die den lebhaften und freundlichen Menschen kannten, an der Bahre des so früh Dahingeschiedenen, den ein tragisches Geschick im blühenden Alter von 33 Jahren abrief.

Helling erlernte ursprünglich den Ingenieur-Beruf, wandte sich dann aber frühzeitig dem Schach zu. Bereits 1926 errang er auf dem Turnier des damaligen Deutschen Schachverbandes zu Perleberg den deutschen Meistertitel. 1928 krönte er seine bisherigen Leistungen durch sein hervorragendes Abschneiden im internationalen Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft. Große Hoffnungen galten nun dem jungen Meister. Aber Helling widerstand der Versuchung, sich ganz dem Turnierspiel zu widmen, und trat in die Redaktion des Scherl-Verlages ein, wo er zuletzt den Schach-, Skat- und Bridgeteil leitete. An Turnieren beteiligte er sich dann noch hin und wieder, doch blieb er nicht in regelmäßigem Training, was ihn an der Erzielung großer Erfolge hinderte. 1928 und 1932 gewann er die Berliner Meisterschaft, die sehr stark besetzt war. Überhaupt spielte Helling in Berliner Turnieren stets eine gute Rolle, auch an Veranstaltungen des Sächsischen Schachbundes nahm er häufig erfolgreich teil. 1930 war er Mitglied der deutschen Ländermannschaft bei den Länderkämpfen des Weltschachbundes in Prag.

Helling war einer der ersten, die dem methodisch-wissenschaftlichen Schach schärfste Fehde ansagten und den Gegner mit den Waffen der Psychologie und der Taktik bekämpften, Waffen, die er meisterhaft beherrschte. Es war nicht sein Ehrgeiz, in jeder Stellung den "besten Zug" zu finden (gibt es ihn überhaupt ?), sondern er suchte dem Gegner Probleme zu stellen, die dieser nicht zu lösen imstande war. Hier leisteten ihm seine Menschenkenntnis, seine reiche Phantasie und seine große Erfindungsgabe vortreffliche Dienste. Bei einem solchen Stil spielt die Rücksicht auf das Material nur eine untergeordnete Rolle; Hellings Gambiteröffnungen waren daher gefürchtet, und so manche hat sich in der Theorie einen dauernden Platz gesichert. Es ist kein Wunder, daß die Herzen der Schachfreunde diesem feuergeist zuflogen, sehen sie doch lieber Kampf als Methode, lieber kühnes Kombinationsspiel mit stets wechselnden Bildern als vorsichtige, wenn auch noch so meisterhafte Strategie. Und bei Helling kamen sie vollauf auf ihre Kosten; in seinen Partien sprüht es von witzigen Einfällen, glitzert es von glänzenden Kombinationen und irrlichtert es von gewagten Unternehmungen. Ein solches Spiel ist aufregend nicht nur für die Zuschauer, sondern auch für den Gegner, der mit jedem Zuge sich auf neue Überraschungen gefaßt machen muß. Ein origineller Spieler, ein schöpferischer Meister, eine eindrucksvolle Persönlichkeit im Schach - so steht das Bild des Verstorbenen vor uns.

Die deutsche Schachwelt wird Meister Helling nicht vergessen; noch nach Jahren werden sich die Liebhaber des königlichen Spiels an den Perlen Hellingscher Schachspielkunst erfreuen. Ehre seinem Andenken !

Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.17, 1.September 1937, S.257/258

Porträt in Rochade Europa 2004

Helling war von Hause aus Ingenieur, wurde aber schon frühzeitig vom Schachspiel gefesselt und holte sich 1926 im Turnier des DSB zu Perleberg den deutschen Meistertitel. 1928 und 1932 gewann er die Berliner Meisterschaft und machte Furore, als er im großen Turnier zur Hundertjahrfeier der Berliner Schachgesellschaft 1928 lange in Führung lag und erst zum Schluß auf den fünften Platz, bei 14 Teilnehmern, zurückfiel. Er erreichte einige gute Plazierungen bei verschiedenen Turnieren und galt als Draufgänger, der in seiner Spielauffassung viel mit seinem Landsmann Kurt Richter gemein hatte (Elo: 2460).
In seinen letzten Jahren arbeitete er als Verlagsredakteur beim Scherlverlag, wo er auch den Schach-, Bridge- und Skatteil leitete.
Mit erst 33 Jahren verstarb er nach kurzer, schwerer Krankheit.

Quelle: Helmut Wieteck in Rochade Europa 11/2004, S.75

BSV © 28.07.2006

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