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  Zug um Zug in Berlin

von Dagobert Kohlmeyer

13./14. September 2008 im Berliner Hauptbahnhof

Dagobert Kohlmeyer
Elisabeth Pähtz und Paul Werner Wagner

Der Berliner Hauptbahnhof gehörte am vergangenen Wochenende den Schachspielern. Auf Initiative der Emanuel Lasker Gesellschaft und ihres unermüdlichen Vorsitzenden Paul Werner Wagner wurde er zum Schauplatz von zwei interessanten Schachtagen. Nach dem Motto "Zug um Zug" wurden auf verschiedenen Ebenen des gigantischen Bauwerks große oder kleinere Figuren gerückt. Ob beim Großfeldschach, bei einem Schülerturnier oder beim Simultan, das königliche Spiel machte an diesen Tagen viele Reisende auf sich aufmerksam. Prominente Schachpersönlichkeiten und Trainer zogen Akteure und Kiebitze an. Bei einem Schach-Quiz konnten BahnCards und andere Preise gewonnen werden.

Dagobert Kohlmeyer
Schachquiz

Der 1. Tag gehörte Elisabeth Pähtz und dem Schachnachwuchs. Deutschlands stärkste Großmeisterin war gerade aus dem Kaukasus zurück und berichtete im Gespräch mit Paul Werner Wagner unter anderem über ihre Erfahrungen bei der Knockout-WM in Naltschik, wo sie frühzeitig ausgeschieden war. "Meine ukrainische Gegnerin in Runde 2 war cooler als ich. Mir aber steckten die vielen Tiebreak-Partien aus der ersten Runde noch in den Knochen. In der Weißpartie fehlte mir einfach die Kraft", erklärte die Großmeisterin.
Für das WM-Finale zwischen Alexandra Kostenjuk und Hou Yifan sagte Elisabeth einen Vorteil für die Russin voraus, die einfach über mehr Erfahrung verfüge und mental sehr stark sei. Mit dieser Prognose lag sie genau richtig, die neue Weltmeisterin heißt seit Mittwoch Alexandra Kostenjuk.

Dagobert Kohlmeyer
Laura Zager am Zug - hinter ihr ein Zug

Danach war simultan an 25 Brettern angesagt, und die meist jungen Gegner setzten Elisabeth Pähtz einigen Widerstand entgegen. Zweimal musste sich die Großmeisterin vom SC Kreuzberg geschlagen geben und dreimal ins Remis einwilligen.
Zuvor hatten die Kinder bei einem Mannschaftsturnier ihre Besten ermittelt. Insgesamt 14 Zweierteams aus Brandenburg und Berlin waren am Start, wobei die meisten aus Potsdam kamen, wo Übungsleiter Ludwig Stern im Kinder- und Jugendschach Verein eine hervorragende Nachwuchsarbeit leistet. Seine Zöglinge Laura Zager (8) und Van Anh Nguyen (7) gewannen auch die Mannschaftswertung. Für Laura war es der erste Pokal, Nguyen hat schon drei zu Hause, wie er uns erzählte. Danach hatten die beiden und viele andere Schachjünger noch nicht genug und spielten auch noch gegen Elisabeth Pähtz.
Die Großmeisterin zog an allen Brettern 1. e4. Darüber freute sich die Berliner Trainerlegende Ernst Bönsch (77), der dem Nachwuchs am Vormittag in einem Vortrag den Rat gegeben hatte, die Partien möglichst offen anzulegen. Nach 1. e4 lernt man einfach besser, die Figuren schnell ins Spiel zu bringen.

Dagobert Kohlmeyer
Laura Zager

Tags darauf war dann Bundestrainer Uwe Bönsch zu Gast und gab einen Einblick in die Vorbereitungen auf die Schach-WM in Bonn sowie die Olympiade in Dresden.
Das Programm am Sonntag war ebenfalls sehr attraktiv. Fernschachlegende Fritz Baumbach spielte simultan und stellte im Gespräch mit Paul Werner Wagner die berühmten Berliner Schachmeister Emanuel Lasker und Kurt Richter vor. Dann spielte auch Baumbach simultan mit einem ähnlichen Ergebnis wie Elisabeth Pähtz.

Dagobert Kohlmeyer
Van Anh Nguyen

Am Nachmittag kam es zu einem Wettkampf der Emanuel Lasker Gesellschaft an acht Brettern gegen die Deutsche Bahn. Gespielt wurden je zwei 10-Minuten-Partien. Favorit Lasker setzte sich gegen die Betriebsschach-Mannschaft klar mit 11:5 durch.
Am ersten Brett holte Raj Tischbierek zwei Punkte, Arno Nickel und Thomas Weischede gewannen ebenfalls 2:0. Für die Bahn erzielte Ralf Kleeschätzky 1,5 Punkte.

Hier die Ergebnisse:

 Elisabeth Pähtz

Simultan an 25 Brettern, davon 20 Siege
Von den Gegnern siegten: Rhonda Vogler (10 Jahre), KJS Potsdam, Sarah Brethauer (22 Jahre) Studentin aus Kassel. Remis spielten: Julius Frederking, Margarita Kostré, Dr. Daniel Eisermann.

Dagobert Kohlmeyer
Dr. Ernst Bönsch schaut zu

 Dr. Fritz Baumbach

Simultan an 26 Brettern, davon 23 Siege
Von den Gegnern siegten: Manfred Clauder (Berlin), Dr. Christian Rohrer (Schachgesellschaft Zürich, Mitglied der Emanuel Lasker Gesellschaft). Remis spielte André Jaeger (SC Rochade Berlin).

Emanuel Wagner
Dr. Fritz Baumbach

 Emanuel Lasker Gesellschaft gegen Betriebsschach Deutsche Bahn/BSW

11:5 (5:3, 6:2) (Spielmodus: 10 Minutenpartien an 8 Brettern, doppelrundig)
1. GM Raj Tischbierek     2 : 0   Rüdiger Schüttig
2. FM Alexander Kurz    0,5 : 1,5 FM Ralf Kleeschätzky
3. Herbert Bräunlin       1 : 1   Wilhelm Jauk
4. Rolf Trenner           1 : 1   Andreas Woschech
5. Dr. Christian Rohrer 1,5 : 0,5 Wolfgang Pitt
6. FM Thomas Weischede    2 : 0   Jürgen Zahn
7. Arno Nickel            1 : 0   Prof. Dr. Peter Strauß
                          1 : 0   Günter Grunow
8. Stefan Hansen          0 : 1   Horst Kaiser
9. Paul Werner Wagner     1 : 0   Horst Kaiser

Emanuel Wagner
Lasker - Bahn

 Jugend-Bahn-Cup 2008

Pl.Mannschaft (Jahrgang)      Verein        MP  BP
 1 Laura Zager (1999)         KJS  Potsdam  8:2 8.0
   Van Nguyen (2001)
 2 Ina Eichstädt (1995)       USV Potsdam   8:2 7,5
   Johannes Huber (1999)
 3 Johanna Alcer (1999)       Empor Berlin  7:3 6,5
   Dan Topaj (1999)
 4 Tina Marie Patzner (1996)  KJS           7:3 6.0
   Martin Kothe (1996)
 5 Kieuanh Nguyen (1995)      KJS           6:4 6.0
   Adrian Ptak (1997)
 6 Rhonda Vogler  (1998)      KJS           5:5 4,5
   Florian Auerbach
 7 Gemma Sedrakian (1999)     KJS           4:6 5.5
   Lars Hausdorf (2001)
 8 Trixy Fischer (2001)       BW Leegebruch 4:6 4.5
   Tizian Fischer (1998)
 9 Julia Klosz (2001)         KJS           4:6 4.0
   Erik Hansen (1996)
10 Chiara Schirmer (1997)     KJS           3:7 3.0
   Friedrich Diestelkamp (2000)
11 Bettina Lypovetzkaja (2001)KJS           1:9 1.5
   Johannes Franke

Dagobert Kohlmeyer
Das Gewinnerteam

Organisator Paul Werner Wagner zeigte sich mehr als zufrieden mit der Veranstaltung und ihrer großen Resonanz. Besonderer Dank gelte Ursula Zimmermann und Nadine Fernow vom Eventmanagement der Bahn sowie der Werbegemeinschaft der Verkaufseinrichtungen im Berliner Hauptbahnhof, die das Ereignis tatkräftig unterstützt haben. Gedacht ist an eine Fortsetzung solcher Events auch auf anderen großen Bahnhöfen, zum Beispiel bei der Schacholympiade in Dresden.

Dagobert Kohlmeyer
So sehen Sieger aus

Frank Hoppe
Schachquiz und Großfeldschach

Frank Hoppe

Frank Hoppe
Dr. Fritz Baumbach am Zug

Frank Hoppe
Dr. Christian Rohrer setzte den Fernschach-Olympiasieger matt

Frank Hoppe
Dr. Matthias Kribben, Paul Werner Wagner und Sohn Emanuel

Frank Hoppe

BSV © 18.09.2008

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