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  Verbandstag des Berliner Schachverbandes am 29. März 2007

von Frank Hoppe

Am Donnerstag, den 29. März, lud das Präsidium des Berliner Schachverbandes die dem Verband angehörenden Vereine zum Ordentlichen Verbandstag in das Rathaus Tempelhof. Als Gäste waren zudem - wie auch schon 2006 - DSB-Geschäftsführer Horst Metzing und sein Schatzmeister Michael S. Langer anwesend. Auch der Vorstand der Fachvereinigung Schach gehörte zu den Gästen. Hier waren deren 1. Vorsitzender Hartmut Mahlkow und sein Stellvertreter Jörg Dippe erschienen.

Beruflich bedingt konnte ich erst knapp eine Stunde nach dem Beginn (18 Uhr) anwesend sein. Die Versammlung war da bereits bei Punkt 6 der Tagesordnung angekommen - und hielt sich dort eine zeitlang auf. Es ging um die Abrechnung des Schatzmeisters Werner Koch über das abgelaufene Geschäftsjahr 2006. Angesichts eines Verlustes von über 9.700 € und der von Koch beantragten Beitragserhöhung um 20 Prozent ein sehr strittiger Programmpunkt.

Die Ehrungen und die Aussprache über die Berichte der Referenten hatte ich da bereits verpaßt. Glücklicherweise hat Frank Kimpinsky einige Momente im Bild festhalten können, wie z.B. die Ehrung von Dr. Peter Welz als Meister der FIDE.

Frank Kimpinsky
Dr. Peter Welz - nun endlich FIDE-Meister

Frank Kimpinsky
Welz' Urkunde

Eigene Fotos kann ich diesmal nicht beitragen, hatte ich doch glatt vergessen, am Morgen die Digitalkamera einzupacken.

Finanzen

Der Schatzmeister mußte zahlreiche Fragen der Anwesenden beantworten. Vielen war die Aufschlüsselung der Ausgaben nicht detailliert genug. Besonders die Ausgaben unter "Sonstiges" zogen die Fragesteller magisch an. Immerhin ging es da um knapp 2.800 € - Sitzungsgelder, Porto u.ä. - und auch das waren nur Ausgaben des Verbandes, wozu außerdem noch der Beitrag an den DSB (ca. 19.000 €), den LSB (ca. 4.200 €), das Gehalt von Frau Carl (ca. 12.900 €) und die Sonderausgabe für elektronische Uhren (ca. 3.100 €) zählen.

Das Mitteilungsblatt ist seit Jahren ein Streitpunkt im Finanzsektor. Und gerade jetzt in der "Saure-Gurken-Zeit" kamen wieder Stimmen auf, die die Existenzberechtigung der Verbandszeitung in Frage stellten. Knapp 4.000 € sind einfach zuviel, zumal damit nur sechs Hefte finanziert wurden. Etwa 90 Prozent der Summe geht allein für den Druck drauf, der Rest für den Versand an die Vereine. Wie Präsident Dr. Matthias Kribben kurz vorrechnete, sind das bei einer Auflage von rund 1.600 Stück, gerade mal 40 Eurocent je Exemplar. Ein Preis, der nicht unterboten werden kann, wenn der Druck der Hefte in die Vereine delegiert wird.

Den Service eines eigenen Mitteilungsblattes bieten heute nicht mehr viele Verbände an. Der LSB Brandenburg nutzt z.B. dafür die "Rochade Europa". Da der Verantwortliche für den Regionalteil, Norbert Heymann, dort bereits auch das Berliner Schachleben teilweise abdeckt, böte sich dieser Verkündungsweg an. Auch eine komplette Internetausgabe des Mitteilungsblattes steht zur Diskussion. Bereits seit dem Jahr 2000 stehen auf diesen Seiten die PDF-Versionen der Verbandszeitung zum Download bereit. Die Druck- und Portokosten würden mit einem Schlag für den BSV wegfallen, würde dieser Weg ausschließlich genutzt. Wenn ein Verein gedruckte Exemplare haben möchte, so kann er sich dort bedienen und mit der Datei (oder einem Ausdruck) zum Copyshop laufen. Nachteil für die Vereine: Erstens muß sich jemand finden, der die ganze Arbeit vom Download bis zum Kopieren übernimmt und zweitens haben die Vereine zusätzliche hohe Ausgaben von 2 - 4 € je Heft zu berappen.

Wohl nur wenige Vereine werden sich solche Ausgaben leisten, zumal manchmal auch ein Vereinsblatt bereits finanziert werden muß. Na ja, wenigstens spart sich der Verband so einen Service, der schon über die Vereinsbeiträge bezahlt wurde ...

Auch wenn viele am Mitteilungsblatt herummäkeln, so gab es doch auch positive Stimmen. Bei Hertha z.B. geht die Verbandszeitung weg wie warme Semmeln - wohl eher die Ausnahme wie mir scheint.
Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, das der Verband die gedruckte Ausgabe unbedingt beibehalten sollte. Das Mitteilungsblatt kann in punkto Aktualität und Informationsumfang zwar nicht mit dem Internet mithalten, doch erstens müssen wir auch an die Leser denken, die keinen Computer und/oder Internet haben und zweitens haben wir auch eine historische Verantwortung. Das Internet ist sehr schnellebig und ältere Informationen verschwinden entweder ganz oder sind nicht mehr so leicht zu finden.

Der zweite Streitpunkt war das alljährlich vom Ehrenpräsidenten Alfred Seppelt organisierte Politikerturnier. Hier fand selbst der Schatzmeister starke Worte ("null Nutzen") und gab Kosten von 5.000 € an - eine Summe, die nicht die Zustimmung von Seppelt fand. Diese Zahl sei schlichtweg falsch, er bekomme nur 60 € im Monat und das Hotel ist kostenlos. Wo er Recht hat, hat er Recht! Koch hatte nämlich anteilig die Arbeitszeit von Frau Carl mit eingerechnet, die diese mit dem Politikerturnier verbringt - hauptsächlich den Schriftverkehr ...

Der Verband bekam aber auch Beifall für seinen Umgang mit den Geldreserven. Als die zentrale BMM-Endrunde 2006 zur Sprache kam, erhielt BSV-Präsident Dr. Matthias Kribben fast stehende Ovationen. Der Saal im Hotel Estrel wurde komplett durch seine Kribben Finanzberatungs AG und Stefan Hansen von der Firma Dorland gesponsort.
Eine zentrale Endrunde wird es dieses Jahr nicht geben. Der selbsternannte Weltmarktführer für Computer-Netzwerke - die Firma Cisco - hat dem Hotel Estrel für den 6. Mai deutlich mehr geboten: 22.000 €.

Etatvoranschlag fällt durch

Für das vergangene Jahr waren 78.000 € veranschlagt worden - ausgegeben wurden rund 89.700 €. Entsprechend höher wurde der Etat für 2007 angesetzt. Doch angesichts der vorhergehenden Diskussionen und der drohenden Beitragserhöhung fiel der Etat durch. Die geplante Ausgabe in Höhe von 83.000 € war einer kleinen Mehrheit zuviel. 73 stimmten gegen den Etat, 64 dafür und 25 enthielten sich.
Glücklicherweise hatte Rechnungsprüfer Sven Schüle für den Fall vorgesorgt und brachte einen Antrag ein, den Etatvoranschlag um 3.300 € zu kürzen. Darin enthalten war auch eine Kürzung des Jugendetats um 500 €. Nach Widerspruch des Jugendwarts Benjamin Dauth einigte man sich auf eine Kürzung von 3.300 auf 2.800 €. Dieser modifizierte Etatvoranschlag wurde mit 110 Stimmen mit klarer Mehrheit angenommen.

Frank Kimpinsky
Johann Eberlein, Vorsitzender der Schachabteilung von Chemie Weißensee, empfängt den Pokal

Nachdem dieser achte Tagesordnungspunkt durch war, holte Dr. Matthias Kribben einige Ehrungen nach, da zum geplanten Zeitpunkt einer der zu Ehrenden noch nicht anwesend war. Johann Eberlein nahm für seine Schachabteilung des BSV 63 Chemie Weißensee den Pokal für den Sieg in der Feierabendliga 2005/06 entgegen.

Georg Billing empfing den Pokal für den Sieg des SC Friesen Lichtenberg in der Berliner Pokal-Mannschaftsmeisterschaft.

Frank Kimpinsky
Georg Billing schaut schon etwas mißtrauisch

Nachdem sich beide Geehrte wieder zu ihren Plätzen begeben hatten, fiel Billing auf, das er den falschen Pokal erhalten hatte. Sein lautstarker Protest sorgte für Heiterkeit, zumal Matthias Kribben vorgab, nur die Aufmerksamkeit testen zu wollen.

Frank Kimpinsky
Der Schriftzug "Feierabendliga" unten links ist deutlich zu erkennen  

Frank Kimpinsky

Drei neue Referenten

Frank Hoppe
Martin Sebastian beim Offenen Turnier 2004

Im vergangenen Jahr hatte Martin Sebastian Ordnung in das Spielmaterial des Verbandes gebracht. Seine Inventur und die Schilderungen über den Zustand des Materials beeindruckten das Präsidium so sehr, das er am 11. Mai 2006 kommissarisch zum Materialwart berufen wurde. Auch am Kauf der elektronischen Uhren im November 2006 hatte er maßgeblichen Anteil.

Sebastian, der bereits im Spielausschuß mitarbeitet, wurde nun offiziell als Materialwart bestätigt. Der 49jährige Fredersdorfer machte sich in den letzten Jahren auch als Turnierleiter einen Namen - u.a. beim RAMADA-Cup - und wird wegen seines Auftretens und seines Humors allerorts geschätzt.

Frank Hoppe
Dagobert Kohlmeyer beim ND-Damenturnier 2006: Melanie Ohme in froher Erwartung eines guten Fotos

Dagobert Kohlmeyer ist der zweite Neuling im Verband. Er macht genau das, wofür er am besten geeignet ist - die Pressearbeit. Sein Vorgänger Reinhard Müller war bereits vor einiger Zeit zurückgetreten und ließ auf dem Verbandstag durch Dr. Kribben eine Erklärung verlesen.
Müller war selbst nicht anwesend - wie auch Kohlmeyer, der in Dresden weilte um an der Gestaltung des Programmheftes für die Europameisterschaft mitzuwirken.

Mit dem neuen Pressereferenten nährt sich auch bei mir Hoffnung, das auf dieser Position endlich das geschieht, was man von einem Presserefenten erwartet - nämlich die Berichterstattung von Verbandsturnieren in Zeitung und Internet bzw. der ständige Kontakt zur örtlichen Presse um diese auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen.
Ich habe also Hoffnung, das ich bei der Internet-Berichterstattung demnächst etwas entlastet werde - ChessBase wird ja von Dagobert Kohlmeyer bereits ständig beliefert.

Dagobert Kohlmeyer ist 60 Jahre alt. Er begann vor 26 Jahren mit der Schachjournalistik. Sein erster Artikel - ein Bericht über das 1. Kurt-Richter-Gedenkturnier in Marzahn - erschien in SCHACH 5/1981. Dann muß ich wohl auch einer seiner ersten Interviewpartner gewesen sein! In der 8. Runde kam Dago (LK 2) gegen mich (vereinlos) über ein Remis nicht hinaus. Am nächsten Tag wollte er mehr über mich wissen und ob ich vorhabe, einem Verein beizutreten.

Frank Hoppe
Anita Neldner und Freund Jan Kinder beim Verbandstag 2005  

Im Frauenreferat löst die Vorgängerin ihre Nachfolgerin ab. Anita Neldner (25) trat vor einem Jahr zurück, weil sie Nachwuchs erwartete. Janine Platzek trat ihre Nachfolge an - nachdem der Posten zwei Monate unbesetzt blieb. Nun mußte Platzek aus beruflichen Gründen das Handtuch werfen. Sie geht nach Hamburg.
Für ihre Nachfolge gab es zwei Kandidaten. Einmal Veit Godoj, der die Berliner Frauenauswahl bereits auf Turnieren begleitet hatte - und Anita Neldner.

Im Spielausschuß gab es ebenfalls noch eine Personaländerung. Für Dr. Joachim Fechner, der in den Ruhestand geht, rückt Bettina Bensch nach.

Finanzen Teil 2

DSB-Schatzmeister Michael S. Langer gab Einblicke in die Finanzwelt des Schachbundes und versprach, sich zu bemühen, das es während seiner Amtszeit keine Beitragserhöhung geben wird. Die einzelnen Landesverbände müssen je Mitglied 8 €/Jahr an den Schachbund überweisen. Insgesamt hat Langer einen Haushalt von 1 Million € jährlich zu verwalten. Auf der hohen Kante liegen 200.000 € - 400 Prozent mehr als bei unserem kleinen Verband.
In Bezug auf die Beiträge der Vereine an die Landesverbände liegt Berlin mit 20 &euro/Jahr je Mitglied eher im unteren Bereich. Nordrhein-Westfalen verlangt mit 30 € das Meiste.

Nach der Rede des DSB-Schatzmeisters - der mit Metzing die Versammlung alsbald verließ - standen die Mitgliedsvereine des BSV im finanziellen Mittelpunkt. Es ging um die Forderung des Landessportbundes, das die Vereine ihre Förderungswürdigkeit nachweisen. Tun sie das nicht, bekommt der BSV weniger Zuschüsse.
Werner Koch ergriff jetzt wieder das Wort und kam noch einmal auf die Kosten im Frauen- und Seniorenbereich zu sprechen. Dabei war ihm der Name des Seniorenreferenten Werner Wiesner entfallen, als er begann "des Schachfreundes ... ... ..." aber nach einer Pause fortsetzte "des Seniorenwartes!" und damit für Gelächter sorgte.

Anträge

Hans-Peter Ketterling und sein SK Tempelhof, sowie einige weitere Vereine, wollten mit einem Antrag durchsetzen, das der BSV auf die FV Schach einwirkt, das diese ihre Statusregelung abschaffen. Bekanntlich dürfen nur 50 Prozent einer Mannschaft mit DSB-Mitgliedern bestückt sein. Trotzdem die FV-Vertreter bereits diese Forderung zurückgewiesen hatten, fand der Antrag eine Mehrheit. Der BSV muß also trotzdem aktiv werden - nutzen wird es nichts.

Die von Koch beantragte Beitragserhöhung um 20 Prozent wurde deutlich abgelehnt. Angenommen wurde dagegen Variante 2 des Antrages: Erhöhung um 10 Prozent und 25 Prozent Aufschlag für die Vereine, die bis zum 30.9.2007 ihre Förderungswürdigkeit nicht nachgewiesen haben.

Es gab noch weitere Anträge und danach eine von Bernd Muskewitz eingeleitete Diskussion um die neuen FIDE-Bedenkzeiten. Darüber kann ich aber nicht viel sagen, da meine Aufmerksamkeit durch einen mitteilsamen Schachfreund etwas beeinträchtigt war.
Vielleicht bringt das von Carsten Schmidt geführte Protokoll bald Klarheit.

Autoreninfo

Frank Hoppe,
Jahrgang 1964, hat die Internetpräsenz des Berliner Schachverbandes Ende 1996 ins Leben gerufen und betreut diese seitdem alleinverantwortlich. Er war außerdem von 1996 bis 2010 DWZ-Referent des Berliner Schachverbandes und von 2003 bis 2009 Referent der Wertungszentrale des Deutschen Schachbundes. Seit 2007 ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes und seit 2010 Redakteur des BSV-Mitteilungsblattes.

webmaster@berlinerschachverband.de

BSV © 07.08.2007

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