| Erneuter Länderkampfsieg für Brandenburgs Senioren am 04. Mai 2002 in Berlin |
von Dr.Siegfried Augustat
Bereits zum achten Male traf sich die Brandenburgische Seniorenauswahlmannschaft,
diesmal im Berliner Schach-Café „en passant“ in der Schönhauser Allee, um im
jährlich einmal stattfindenden Wettstreit mit der Berliner Equipe
freundschaftlich um den Wanderpokal zu kämpfen. Den ersten, von Brandenburg
gestifteten Pokal hatten 1999 nach der fünften Begegnung die Berliner durch
ihren 5,5:2,5-Sieg und insgesamt dreimaligen Gewinn in ihren endgültigen Besitz
gebracht, und auch der erste Kampf um den neuen, von Berlin gestifteten Pokal
ging im Jahre 2000 mit 3 : 5 für Brandenburg verloren. Die ursprüngliche
Überlegenheit der Berliner forderte die Seniorenschachsportler des
Brandenburgischen Teams zu großen Anstrengungen heraus, und vor einem Jahr
konnten sie einen überraschend hohen 5,5:2,5-Sieg in Potsdam verbuchen (siehe ROCHADE EUROPA 6/2001).
Verständlicherweise waren die Bundeshauptstädter nun bestrebt, den Spieß auf
eigenem Platze umzudrehen. Mit drei FIDE-Meistern in ihren Reihen – das
Brandenburgische Team hatte mit FM
Eveline Nünchert und FM Günter Walter “nur“ zwei
internationale Titelträger in seinen Reihen – waren die Berliner leicht
favorisiert. Betrachtet man die DWZ-Durchschnittswerte beider Mannschaften, so
gingen diesmal zwei gleichstarke Teams an die Bretter.
 | | Siegfried Augustat | | FM Günter Walter - FM Adolf Delander 1:0, FM Werner Reichenbach - Hubert Walkewitz 1:0 | |
Die
Berliner hatten einen Durchschnitt von 2080, die Brandenburger einen solchen von
2083 (im Jahre 2001 war der Durchschnitt der Berliner Auswahl um rund 100 Punkte
höher im Vergleich zu den Brandenburgern!). Unter den acht Spielern der
Brandenburgischen Auswahl war ein wichtiger Neuzugang zu verzeichnen:
„Jungsenior“ FM Günter Walter von
Lok Brandenburg wird in diesem Jahre 60 und ist somit schon spielberechtigt. Er
hatte einen guten Einstand im Team, denn er konnte FM Adolf Delander am Spitzenbrett in
einem mit Weiß gut geführten Damengambit besiegen. Sein Vereinskamerad Klaus Müller wollte ihm nicht
nachstehen und siegte am Brett 6 ebenso wie Werner Rudnick vom SC Rathenow an Brett
5. Wertvolle halbe Zähler erkämpften aus teilweise schwierigen Stellungen FM Eveline Nünchert an Brett 4 und Reinhard Nünchert an Brett 7 (beide USV Potsdam)
sowie Mannschaft-Coach Hermann Meiling(SV Marzahna 57) an Brett 8.
Den vierten vollen Zähler für Brandenburg holte Fro Trommsdorff vom USV Potsdam an
Brett 3 mit einer überzeugenden Bekämpfung des Wolga-Gambits. Die wohl schwerste
Aufgabe hatte an Brett 2 Hubert Walkewitz vom SV Grün-Weiß Niemegk in seiner Schwarz-Partie gegen FM Werner Reichenbach (Berliner
Seniorenmeister 2001 und 2002) zu lösen. Es war mit fast 5 Stunden nicht nur die
längste, sondern auch die dramatischste Partie. Lange Zeit hatte der Berliner
sich eines heftigen Angriffs zu erwehren und kam in große Zeitnot, denn nur 5
Minuten verblieben ihm für den Rest der Partie, seinem Gegner dagegen 25. Aber
Werner Reichenbach ist auch ein guter
Blitzspieler (Deutscher Seniorenvizemeister im Blitzschach!) und behandelte das
Endspiel mit einem Mehrbauern trotz geringer Bedenkzeit sehr gut. Hubert Walkewitz reklamierte zwei Minuten vor Blättchenfall auf Remis, mußte aber auf Entscheidung des
Schiedsrichters Dirk Tauschweiterspielen und verlor schließlich. Werner Reichenbach erzielte somit den einzigen
vollen Punkt für Berlin (auch im Jahre 2001 hatte er die einzige Gewinnpartie
für Berlin eingefahren!). Damit kam insgesamt ein 5,5:2,5-Sieg für die
Brandenburgische Equipe heraus. Im fairen Wettstreit um den neuen Pokal steht es
jetzt 2 : 1 für die Brandenburger, und es fehlt “nur“ noch ein Sieg gegen die
Berliner Freunde, um ihn endgültig zu erobern. Insgesamt steht es nach acht
Länderkämpfen nun 4 : 4, was die Vertreter unserer “Streusandbüchse“ mit
Optimismus in die Zukunft schauen läßt.
 | | Siegfried Augustat | | Yosip Shapiro - FM Eveline Nünchert ½:½, Fro Trommsdorff - FM Harald Lieb 1:0 | |
 | | Siegfried Augustat | | Rainer Nünchert - Peter Bogomolnyi ½:½, Bernd Hiller - Hermann Meiling ½:½ | |
Die äußeren Spielbedingungen
im Schach-Café „en passant“ waren nicht die besten: Kleine Spielräume, schlechte
Beleuchtung an einigen Spieltischen, geräuschintensive Atmosphäre wegen des
angrenzenden Schankraumes. Dieter
Schiemann, der als Referent für Seniorenschach im Berliner Schachverband vor
Beginn des Wettkampfes beide Mannschaften freundlich begrüßt hatte, sagte mir im
Anschluß an den Wettkampf, daß dieses Spiellokal für einen weiteren
Seniorenwettkampf nicht mehr in Frage käme, was aus Sicht der Gastequipe
durchaus zu begrüßen ist. Bei der Siegerehrung nahm Karl-Heinz Langer, der Vorsitzende des
Senioren-Schachvereins Brandenburg e.V., den Wanderpokal für unsere erfolgreiche
Mannschaft entgegen und lud die Berliner zu unseren kommenden
Seniorenveranstaltungen herzlich ein.
 | | Siegfried Augustat |
Hier die Einzelergebnisse an den 8 Brettern in
übersichtlicher Form und -
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| FM Delander,Adolf (2116) | 0:1 | FM Walter,Günter (2235) | | FM Reichenbach,Werner (2315) | 1:0 | Walkewitz,Hubert (2200) | | FM Lieb,Harald (2294) | 0:1 | Trommsdorff,Fro (2142) | | Shapiro,Yosip (2048) | ½:½ | FM Nünchert,Eveline (2126) | | Nietsch,Horst (2023) | 0:1 | Rudnick,Werner (2119) | | Schüler,Wolfgang (1945) | 0:1 | Müller,Klaus (2037) | | Bogomolnyi,Peter (1986) | ½:½ | Nünchert,Reinhard (2029) | | Hiller,Bernd (1916) | ½:½ | Meiling,Hermann (1777) |
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für unsere Internet-Freunde hier noch zwei interessante Partien aus dem Wettkampf.
Abschließend bleibt festzustellen: Wichtiger als alle Mannschafts-
und Einzelergebnisse sind die freundschaftlichen Verbindungen zwischen den
Senioren Brandenburgs und Berlins, die nicht nur durch diese traditionellen
Länderwettkämpfe gefestigt werden. Auch durch die gegenseitige Teilnahme an
Einzelturnieren kommt es immer wieder zu schönen Begegnungen am Brett und
zahlreichen freundschaftlichen Kontakten. So freuen sich beispielsweise die
Organisatoren Karl-Heinz Langer und
Dr. Dieter Schenk aus der
„Streusandbüchse“, daß auch am 11. Brandenburgischen Seniorenturnier vom 16. bis
25. Juni 2002 im polnischen Ostseebad Rowy (Nähe Słupsk/Stolp) eine ganze Reihe
von Berlinern teilnehmen wird, zum Teil mit mitgebrachter Dame als „Talisfrau“.
Und wenn dann noch das Ostseewetter mitspielt, Schachherz, was willst Du mehr?
Last-minute-Meldungen sind unter Tel. 0331-2703900 noch
möglich!
BSV © 19.07.2007
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