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Hallo Schachfreunde! Ab sofort bei TSG Oberschöneweide jeden 2. und 4. Freitag im Monat ab 19.00 Uhr Training mit FM Rosenthal bzw. FM Postler. Gäste sind herzlich willkommen.

  Internationales Turnier Berlin 1897

Pl.SpielerLand12345678901234567890Pkt.
1Rudolf CharousekHUNx0½10½½1111½1111½11+14,5
2Carl August WalbrodtGER1x1½1½½1½½01110½111+14,0
3Joseph Henry BlackburneENG½0x½½½1½11½½10½1111+13,0
4David Markelowicz JanowskiFRA0½½x1½½½½1110110½11+12,5
5Amos BurnENG10½0x11½101011½011½+12,0
6Carl SchlechterAUT½½½½0x0½½1½1½1½½½11+11,5
7Georg MarcoAUT½½0½01x0½0½½1111½11+11,5
8Simon AlapinRUS00½½½½1x0½0½1½11111+11,5
9Horatio CaroENG0½0½0½½1x½11½½101½1+11,0
10Michail TschigorinRUS0½00101½½x½001½1111+10,5
11Emanuel Stepanovich SchiffersRUS01½00½½10½x101½0½11+10,0
12Johannes MetgerGER½0½010½½010x101110½+9,5
13Wilhelm CohnGER00010½00½110x0011½1+8,5
14Simon WinawerPOL0010000½½0011x1½011+8,5
15Hugo SüchtingGER01½0½½000½½010x1½01+8,0
16Richard TeichmannGER0½011½0010100½0x½½0+7,5
17Berthold EnglischAUT½00½0½½000½001½½x01+6,5
18Adolf Julius ZinklGER00000000½001½01½1x1+6,5
19Adolf AlbinAUT0000½000000½000100x+3,0
20Curt von BardelebenGER-----------½-------x0,5

Eine andere Quelle nennt die Tabelle ohne von Bardeleben.

http://www.rogerpaige.me.uk/historical_photographs.htm
4.Reihe: Schlechter, Heyde, 3.Reihe: unbekannt, Burn, Marco, von Popiel, Heinrichsen, Blijkmans, Dimer, 2.Reihe: Charousek, Janowski, Thalheim, Zinkl, Harmonist, Winawer, W. Cohn, Teichmann, Albin, 1.Reihe (sitzend): Ranneforth, Caro, Metger, Alapin, Süchting, Tschigorin, Schiffers, Bierbach

Mit dem Turnier wurde der 70.Jahrestag der Berliner Schachgesellschaft begangen. Obgleich es das einzige Meisterturnier dieses Jahres war, nahmen einige starke Spieler nicht teil. Eine Gruppe von zwanzig Teilnehmern begann. Sie spielten im Architektenhaus von 13.September bis 4.Oktober 1897. Von Bardeleben mußte nach einem kurzzügigen Remis zurücktreten ("Von Bardeleben had to withdraw after a short draw. Englisch left halfway"). Englisch verließ nach der ersten Turnierhälfte den Wettkampf. Schließlich wurde das Turnier ein Rennen zwischen Charousek und Walbrodt. Charousek triumphierte in der letzten Runde gegen Tschigorin und wurde seines wundervollen Spiels gerühmt. Die jungen Spieler hatten am Ende des ermüdenden Turniers vorgeherrscht. Charousek und Walbrodt gewannen 2000 und 1500 Mark. Leider verstarben sie innerhalb weniger Jahre.

Quelle: http://www.endgame.nl/berlin1928.htm

Alle Partien nachspielen

Rudolf Charousek

Rudolf Charousek wurde am 19.9.1873 in Klein-Lometz bei Prag als Sohn eines deutschen Vaters und einer tschechischen Mutter geboren. Die Familie zog kurz nach seiner Geburt ins ungarische Debrecen, wo Rudolf unter dem Einfluß der ungarischen Kultur als Ungar aufwuchs. Manchmal findet man deshalb seinen Namen auch mit der ungarischen Form Rezsö für Rudolf. Seine Schachlaufbahn begann erst 1889 als 16-jähriger Gymnasiast in Miskolz. 1893 nahm er ein Studium der Jurisprudenz im slowakischen Kosice in Angriff, das er jedoch ohne Abschluß  abbrach, um nach Budapest zu ziehen und die Karriere eines Berufsspielers einzuschlagen.

Dort verschaffte er sich zunächst mit informellen Matchpartien gegen lokale Schachgrößen den nötigen Respekt in der Szene, bevor er Mitte der Neunziger  Jahre des 19. Jahrhunderts erste Einladungen zu Turnieren im Ausland erhielt. Als Höhepunkte seines kurzen Schachlebens werden im allgemeinen der Sieg gegen den Weltmeister Emanuel Lasker in Nürnberg 1896 sowie ein Jahr danach der Sieg beim internationalen Meisterturnier in Berlin betrachtet, wo er in einer beispiellosen Aufholjagd nach mäßigem Start die letzten 9 (!) Runden in Folge gewann. Aufgrund dieser Erfolge wurde er sogar schon als ein chancenreicher Kandidat für die Herausforderung des amtierenden Weltmeisters in Betracht gezogen.

Er starb im Alter von 26 Jahren am 18.4.1900 im Budapester Vorort Nagyteteny an der Tuberkulose, mit der er sich zwei Jahre zuvor infiziert hatte.

Der englische Großmeister Nigel Short schrieb im Jahre 1992 anläßlich einer Buchbesprechung "Occasionally the  chess world is robbed of a player of enormous potential by death. One such man was Rudolf Charousek from Hungary who flared all too briefly at the end of the last century."

 Turniere und Wettkämpfe

Die aktive Laufbahn des Rudolf Charousek umfaßt wenig mehr als fünf Jahre, in denen er jedoch sein großes Talent mehr als nur einmal aufblitzen ließ. Mit seiner Spezialeröffnung, dem Königsläufergambit, bezwang er in Nürnberg gar den amtierenden Weltmeister und späteren Turniersieger Lasker. Im Budapester Turnier von 1896 unterlag er dem russischen Meister Tschigorin erst im Stichkampf mit 1:3.

  • Budapest 1893, Wettkampf gegen Makovetz +1 -2 =3
  • Budapest 1895, Wettkampf gegen Exner +6 -1 =3
  • Budapest 1895, Wettkampf gegen Maroczy +2 -6 =6
  • Nürnberg 1896 12.
  • Budapest 1896 1./2.
  • Berlin 1897 Sieger
  • 11. DSB-Kongreß Köln 1898 2.

 Bibliographie

  • Chess Comet Charousek, 1996, Fruth-Verlag; der russische Autor Viktor Charuchin verfaßte dieses Werk mit biographischen Informationen sowie zahlreichen Partien Charouseks
  • Der Golem, Leipzig 1915; in Gustav Meyrinks expressionistischem Roman taucht der Student Innozenz Charousek auf, der Rudolf Charousek nachempfunden ist.

 Anekdoten

Als Schüler soll Charousek das damals bekannteste Schachlehrbuch - Bilguers "Handbuch" - ausgeliehen, abgeschrieben und auswendig gelernt haben, weil er es sich finanziell nicht leisten konnte, das Werk zu kaufen.

Glaubte der Schachexzentriker Emil-Josef Diemer, daß er die Reinkarnation Charouseks sei? Quelle bei www.belkaplan.de/chess/bdg/diemer/nicolai_bericht.html.

Quelle: Internet

Artikel in der Berliner Zeitung vom 5.April 1997

Auch diese Schachpartie habe ich ausgerechnet bis zum letzten Zug. Diesmal wird es ein Königsläufergambit sein. Da gibt es keinen einzigen Zug bis zum bittern Ende, gegen den ich nicht eine verderbliche Entgegnung wüßte. Wer sich mit mir in ein solches Königsläufergambit einläßt, der hängt in der Luft, sage ich Ihnen, wie eine hilflose Marionette an feinen Fäden, die ich zupfe, - hören Sie wohl, die ich zupfe, und mit dessen freiem Willen ist's dahin.

So spricht der bettelarme Student, der in Gustav Meyrinks düsterem Roman Der Golem (1915) die Machenschaften des Augenarztes Wassory aufdeckt. Meyrinks Vorbild für die Figur war der ungarische Meister Rudolf Charousek. Geboren wurde der feurige nervöse Ungar , wie ihn das Berliner Tagblatt vor 100 Jahren beschreibt, 1873 in Böhmen, Charousek wuchs jedoch in Ungarn auf und studierte an der Budapester Universität Jus. In Wahrheit studierte er freilich Schach. Heute ist er fast vergessen, denn seine Schachkarriere dauerte nicht einmal vier Jahre, er spielte nur vier große Turniere. Charousek war aber ein Genie des Angriffs und hinterließ zahlreiche Glanzpartien. An guten Tagen war er in der Lage, sogar die stärksten Meister wie Emanuel Lasker vom Brett zu fegen.

Der Gipfel seiner Karriere war das internationale Berliner Turnier 1897, einer der Höhepunkte der Goldenen Berliner Schachzeiten . Angereist waren u. a. Alapin, Schiffers und der gewaltige Tschigorin aus St. Petersburg, aus Wien Albin, Englisch, Marco und Schlechter, Janowski aus Paris, "Black Death" Blackburn, Caro und Teichmann waren aus London gekommen und Charousek aus Budapest. Das Riesenturnier mit 20 Teilnehmern wurde in den Räumen des Architektenhauses in der Wilhelmstraße gespielt, der Eintritt betrug damals gerade 60 Pfennige, der Hauptpreis immerhin 2000 Mark. Charousek gewann nach spannendem Kampf vor dem Berliner Meister Walbrod, Blackburn und Janowski. Das Berliner Turnier 1897 stellt in der Schachgeschichte ein Scharnier dar: Die Prinzipien der alten romantischen Meister waren noch lebendig, die Neuerer klopften aber bereits heftig an die Tür und begehrten Einlaß. Charousek selbst sollte die Revolution der Avantgarde nicht mehr erleben. Er starb drei Jahre später an Tuberkulose. Ein Meyrinksches Königsgambit vom ersten bis zum letzten Zug gelang ihm bei diesem Turnier gegen Erich Cohn.

Charousek - Cohn

Berlin 1897

1.e4 e5 2.f4 Und das trotz Steinitz, Tarrasch und Lasker! 2... d5 Falkbeers Gegengambit verspricht sicheren Ausgleich. 3.exd5 e4 Ein lästiger Zeitgenosse. 4.d3 Sf6 5.De2 Dxd5 Hundert Jahre später bevorzugt man 5... Lg4. 6.Sc3 Lb4 7.Ld2 Tolpatschig wäre 7.dxe4 Sxe4 8.Ld2 Dxd2+ 9.Dxd2 Sxd2 10.Kxd2 Le6. 7... Lxc3 8.Lxc3 Sbd7 Freier atmet man nach 8... Lg4 9.dxe4 De6. 9.g4!? Futuristische Töne des ungarischen Figurenkünstlers! Lg2 und g5 drohen. Vorsichtiger war 9.0-0-0. 9... 0-0 10.Lg2 exd3?! Schock und Paralyse, besser 10... Dd6. 11.Lxd5 dxe2 12.Lf3 Te8 13.Sxe2 Der ist wieder glücklich im Körbchen, Weiß erfreut sich kräftiger Initiative. 13... Se4 14.0-0 Sdf6 15.h3 Ld7?! Abermals Zaudern. Schärfste Gegenmaßnahmen waren angesagt: 15... h5 16.g5 Sh7 und alles ist offen. 16.Tfd1 Lc6 17.Le5 Tad8 Der gordische Knoten. Nicht empfehlenswert ist 17... Sg3?! 18.Sxg3 Lxf3, aber vielleicht andersrum: 17... Sxc3!? 18.Sxc3 (18.Lxc6?! Sxe2+ 19.Kf2 bxc6 20.Kxe2 Sxg4!) 18... Lxf3 19.Td3 Lc6 20.Lxc7. 18.Sd4 h6? (Diagramm 1) Kippt die ganze Partie in den Mülleimer. Die letzte Chance war 18... Ld5 19.Sb5 Sc3 20.Lxf6 gxf6 21.Lxd5 Sxb5 22.Lxb7 Sd4! mit haltbarem Endspiel. 19.Sxc6 bxc6 20.Te1 Nun fallen Weiß die ersten Früchte in den Schoß. 20... Sd2 21.Lxc6 Te6 22.Lg2 Tde8 23.b3 g5 24.Ted1 gxf4? Schiere Verzweiflung ob des langsamen Todes nach 24... Sde4. 25.Lxf6 Te2 26.Lc3 f3 27.Txd2 f2+ Ob dies oder 27... fxg2 28.Tad1 ist auch schon egal. 28.Kf1 Te1+ 29.Kxf2 Der letzte Stolz der schwarzen Stellung ist dahin. 1-0

Quelle: http://www.berlinonline.de/ber[...]1997/0405/none/0038/

Literatur

Goldman, Warren H.: Berlin 1897. Das Internationale Meisterturnier. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Dr. Werner Lauterbach. Band 10 der Südwestschachreihe. Rau Verlag, Düsseldorf 1966.

BSV © 07.08.2007

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