Der Schachklub "Springer" hielt am 30. Dezember seine Generalversammlung ab und wählte in den Vorstand: W. Pape, l. Vors.; O. Schewe, 2. Vors.; M. Liesener und E. Ensel, Schriftführer; A. Freund und E. Franke, Kassierer; M. Franke, Bibliothekar; Chr. Siebert und M. Koppenheim, Schachwarte. Aus dem Jahresberichte ist zu ersehen, daß der Schachklub "Springer" zu den größten Vereinen Deutschlands zählt, hatte er doch mit Jahresschluß die stattliche Zahl von 161 Mitgliedern aufzuweisen. Im vergangenen Jahre richtete der Klub wieder eine Schachschule ein, die beim Publikum großen Anklang fand. Der Höchstbesuch des Unterrichts betrug 145, der Durchschnittsbesuch über 100 Personen. Infolgedessen beginnt im August 1. J. wieder ein unentgeltlicher Unterricht, zu dem jedermann eingeladen ist.
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.2 Februar 1906, S.58
Am 21. Febr. hielten die Herren H. Caro, E. Cohn und M. Lange eine Wettsimultanvorstellung im Schachklub "Springer" ab. Jeder spielte gegen 25 Gegner. Den Preis für den besten Erfolg erhielt E. Cohn, der 20 Partien gewann, 3 remis machte und nur 2 verlor. H. Caro erhielt den Preis für das schnellste Spiel. Er gewann 17 Partien, machte 1 remis und verlor 7, wozu er nur zwei Stunden benötigte. M. Lange gewann 19 Partien, machte 4 remis und verlor 2. E. Cohn gebrauchte zur Erledigung der Partien 3 Stunden, M. Lange 3 3/4 Stunden.
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.3 März 1906, S.89
Am Winterturnier des Schachklub "Springer" beteiligten sich 62 Mitglieder, an welche im ganzen 25 Preise zur Verteilung gelangten. Das Ergebnis ist: Klasse la: 1. Erich Cohn, 2. Otto Schewe, 3. Hermann Friedrich, 4. W. Suffrian; Klasse Ib: 1. P. Bürger, 2. 8. Dunje; Klasse IIa: 1. Wiegand, 2. und 3. geteilt Ihlefeldt und Koppenheim; Klasse IIb: 1. Müller II, 2. und 3. geteilt 0. Kühn und R. Lawitzky, 4. Frl. J. Birkholz; Klasse IIIa: 1. R. George, 2. Schlegel, 3. Uppendahl; Klasse IIIb: 1. Hirschfeld, 2. Karpen.
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.5 Mai 1906, S.152
Das Winterturnier des Berliner Schachvereins hatte folgendes Resultat. In der ersten Klasse (19 Teilnehmer) errang auf glänzende Weise Herr A. Wagner den I. Preis (50 M). Er erreichte 15˝ Gewinnzähler (von 18 gespielten Partien). Den II. und III. Preis teilten Walter I und O. Wegemund mit 13 Gewinnzählern, den IV. Preis gewann Rechtsanwalt S. Löwy (12˝), den V. Preis Dr. Dinge (12), den VI. und VII. Preis teilten Koslowski und Spieß (je 11˝). Die Preisverteilung, verbunden mit einem gemütlichen Damenabend, fand am 12. April im Vereinslokal (Krebs Hotel, Niederwallstraße 11) statt.
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.4 April 1906, S.123
Im "Berliner Schachverein von 1876" wurde im abgelaufenen Sommer ein Viererkampf zwischen den stärksten Spielern des Vereins ausgefochten. Jeder hatte mit jedem vier Partien zu spielen. Den I. Preis errang mit 8 Gewinnzählern A. Wagner, den II. Preis Dr. Dinge (6˝), den III. Preis H. Walter (5˝), den IV. Preis O. Wegemund (4). Ein Wettkampf zwischen Dr. Dinge und A. Wagner auf 7 Gewinnpartien endete mit 7:3 zugunsten Wagners. Der "Berliner Schachverein von 1876" hat sich mit dem Schachklub "Berlin-Nord" vereinigt und hält nunmehr wöchentlich zwei Spielabende ab: am Donnerstag im Hotel Krebs (Niederwallstraße 11) und am Montag in den Johannissälen (Johannisstraße 20). Das Winter- turnier, welches Mitte Oktober begann und in drei Klassen gespielt wird, findet in beiden Lokalen statt.
Quelle: Deutsche Schachzeitung Nr.10 Oktober 1906, S.314/315
103. 1919: Bogoljubow und Selesniew lassen sich in Berlin nieder
E.Bogoljubow und S.A.Selesniew, die letzten der vom Mannheimer Kongreß in Deutschland verbliebenen russischen Schachfreunde, haben vor kurzem Triberg verlassen und befinden sich in Berlin, wo sie verbleiben werden, bis ruhigere Verhältnisse in ihrem Vaterlande herrschen. Bogoljubow spielte vom 20. bis 27.Januar im Kaffee Kerkau einen Wettkampf mit v.Bardeleben, den er mit 3:0:2 gewann.
Quelle: Deutsches Wochenschach und Berliner Schachzeitung Nr.5/6 vom 5.Februar 1919, S.36
Der Schachklub Süd-West, Lichterfelder Str.11 (Schultheiß-Brauerei-Ausschank), hielt am 21.März eine Gedächtnisfeier für sein am 23.Dezember 1918 verstorbenes Mitglied Walter Koppen ab. Der Vorsitzende, Herr Hoeppel, leitete den Abend mit einer Ansprache ein, worin er der seltenen Begabung des leider so früh Dahingeschiedenen gedachte.
Herr Willi Schlage führte darauf einige vom Verstorbenen gespielte Partien vor und demonstrierte am Brett den bei allen Gelegenheiten wiederkehrenden genialen Weitblick des Koppen; schon eine im Alter von 18 Jahren mit einem starken Gegner gespielte Partie wurde im glänzendsten Stil von ihm gewonnen.
Zum Schluß gab Herr Schlage eine Simultanvorstellung und gewann, in einer Stunde, von 12 Partien 10 und machte 2 remis.
Quelle: Deutsches Wochenschach und Berliner Schachzeitung Nr.14/15 vom 13.April 1919, S.98
105. 1922: Die Berliner Schachgesellschaft nach dem 1.Weltkrieg
Die Berliner Schachgesellschaft, die mit den meisten europäischen Ländern bereits wieder in lebhaftem Schachverkehr steht und in nächster Zeit noch mehrere Kämpfe gegen ausländische Mannschaften auszutragen hat, hat jetzt auch die transatlantischen Beziehungen wieder aufgenommen. In Verhandlungen zwischen José Perez Mendoza, dem Ehrenpräsidenten des Argentinischen Schachklubs und E.Post, dem Vorsitzenden der Berliner Schachgesellschaft, bei denen Dr.Emanuel Lasker eifrig mitwirkte, ist für einen Sonntag im Oktober ein telegraphischer Schachwettkampf Berlin - Buenos Aires vereinbart worden. Zu Ehren des 80.Geburtstages des ältesten Ehrenmitgliedes des Vereins findet gegenwärtig unter dem Namen "Georg Behrend-Turnier" ein Zweirundenkampf zwischen John, Plönnigs, Post, Schlage und Zander statt. Ahues, der Sieger der Klubmeisterschaft für 1922, hat gegen Dr.Dührssen, den zweiten des Turniers, einen Wettkampf von 6 Partien mit 4 Siegen und 2 Remisen überlegen gewonnen. Zum Kongreß des Deutschen Schachbundes in Oeynhausen sind für das Meisterturnier gemeldet worden: Ahues, John, Post, Schlage, Zander (Schachgesellschaft), Wegemund (Schachverein); für das Hauptturnier: Hartmann, Kipke, Richter (Springer), Rotenstein (Schachverein), Hoffmann (Wilmersdorf). Die Schachgesellschaft hat also auf Bewerbung um eine neue Meisterwürde im Hauptturnier verzichtet. Das Sommerfest des Berliner Schachverbandes in Tegel fand trotz ungünstigen Wetters zahlreiche Beteiligung und nahm unter Leitung des Tegeler Schachvereins Springer einen glänzenden Verlauf. Nach einer dreistündigen Motorbootfahrt auf den Tegeler Gewässern wurde im Strandschloß bis zum Abgang der letzten Züge eifrig geschacht und getanzt.
Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.7 15.Juli 1922, S.111
Schachvereinigung Wilmersdorf e.V. Das Winterturnier, das auch diesmal wieder mit sehr hübschen Ehrenpreisen ausgestattet war und eine gute Besetzung aufwies, brachte als ersten Sieger in der Mittwochgruppe der ersten Klasse Krotoschin. In der Sonnabendgruppe der ersten Klasse blieb Baurat Hoffmann erster Preisträger. Die beiden zweiten Preise holten sich der talentierte, nur noch etwas zu unruhige Heuäcker sowie Buchhorn, der wesentliche Fortschritte aufzuweisen hat. Die beiden dritten Sieger, Kleinfeld und Schildberg, hatten einiges Pech. Die Sieger der zweiten Klasse sind: 1. Langner, 2. Dr.Meister, 3.,4. u. 5. Koch, Ufer und Koffka, 6. Oberstlt. Cretius. In der dritten Klasse errang Stadler nach heißen Stichkämpfen den ersten Preis. Es folgen Dittmann als zweiter, Wittwer als dritter und Blanchard als vierter Preisträger. Die Schlußfeier verlief sehr anregend. Nach verschiedenen Ansprachen begann das mit 34 hübschen Ehrenpreisen ausgestattete Tombolaturnier, an dem sich 34 Spieler beteiligten. Keiner ging leer aus. Herr Buchhorn stiftete für den Verein 1000,-- Mark. Im Turnier um die Klubmeisterschaft 1922, zu dem nur die in den letzten Turnieren erfolgreichsten Spieler zugelassen wurden, errang Baurat Hoffmann wiederum den ersten Preis mit 5˝ Punkten (keine Verlustpartie) vor Hartwig (4˝), Kleinfeld und Horn (3), Walter (2), Krotoschin und Schildberg je 1˝ Punkten. Heuäcker trat vom Turniere zurück. Baurat Hoffmann, der auch sonst seit Jahren zu den erfolgreichen Kämpfern im Berliner Schach zählt, wird den Verein, die Zustimmung des Brandenburgischen Schachverbandes vorausgesetzt, im Hauptturnier des Deutschen Schachbundes in Bad Oeynhausen vertreten. Die Schachvereinigung Wilmersdorf (mit eigenem, gemieteten Klubraum, ohne Trink- und Verkehrzwang, Spielabende jeden Mittwoch und Sonnabend, Monatsbeitrag 6,50 M.) nimmt zurzeit wieder eine beschränkte Zahl von Mitgliedern auf. Vorherige Gastbesuche erforderlich. Spiellokal Rest.Hohenzollernplatz, Fasanenstr.52. Beste Fahrverbindungen.
Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.7 15.Juli 1922, S.112
Berlin-Schöneberg. Am 5.September spielte Schachmeister Sämisch im Schöneberger Schachklub 1913 gleichzeitig 6 Partien blind. Er gewann davon 3, verlor 2 (Beck-Ziegler und Koch) und hielt 1 remis (Staewen). Am 12., 13. und 21.September nahm eine Zwölfer Mannschaft auf Einladung der Schachabteilung des Sportclubs Charlottenburg an dem in Charlottenburg stattfindende Jubiläumsmannschaftskampf teil. Sie errang mit 22 Punkten den II.Preis. Den ersten holte sich die erste Mannschaft des S.C.C. mit 31˝ Punkten; doch darf dabei nicht unerwähnt bleiben, daß ihr 18 Partien kampflos in den Schoß fielen. Am 29.September spielte Schachmeister Schlage 25 Partien simultan. Das Ergebnis nach 3˝stündigem Kampfe war: gewonnen 18, remis 3 (Baehr, Baier, Liebermann), verloren 4 (Erelis, Gaul, Karrenbach und Peske). In der Mitgliederversammlung am 15.September wurde u.a. beschlossen, den Beitrag auf 10.-- M. monatlich zu erhöhen. Leider sah sich der Klub am 26.September genötigt, sein Klubheim zu verlegen. Er spielt jetzt jeden Dienstag und Freitag im Albertshof, Albertstr.15, Ecke Feurigstraße. Gäste sind jederzeit willkommen.
Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.10 15.Oktober 1922, S.165
Berlin-Treptow. Der Schachklub "Oberspree" veranstaltete zu Ehren seines
vor einem Jahre verstorbenen Mitgliedes Rechnungsrat Blume ein
"Willy Blume-Gedächtnis-Turnier". Am 28. Oktober fand die Verteilung der Preise, zu deren
Beschaffung zwei Klubfreunde des Verstorbenen namhafte Beträge gestiftet hatten, im
Klublokal statt: l. Lorber, 2. Höregott, 3. Mittag, 4.-6. Martens, A. Rahn u. Zülsdorff.
Die Witwe des Verewigten hat der Vereinsbibliothek zum Andenken an ihren Gatten
ein Schachwerk überwiesen.
Am 28.November wird Schachmeister W.Schlage im Klublokal "Restaurant zur Bahnhofsklause"
am Bahnhof Baumschulenweg eine Simultanvorstellung geben.
Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.11 15.November 1922, S.181
Ein Vierstädte-Wettkampf Berlin-Budapest-Prag-Wien unter dem
Protektorate des Wiener Vizebürgermeisters G. Emmerling wurde in der Zeit
vom 31. Mai bis 2. Juni vom Österreichischen Schachverband in Wien durchgeführt
und endete mit einem Siege der Wiener Mannschaft. Den zweiten Platz
erstritt Prag, den dritten Budapest, während Berlin sich mit dem vierten Platze
begnügen mußte. Einzelergebnisse: Wien-Budapest 2:2 (bereits Ostern 10:10),
Prag-Budapest 2˝:l˝, Wien-Berlin 2˝:l˝, Budapest-Berlin 4:0, Wien
Prag 2˝:1˝;, Prag-Berlin 2˝:l˝. Beteiligt waren für Berlin: Post, Zander, Dr.
Dührssen und Steneberg, für Budapest: v. Balla, Vajda, Havasi und Endre Steiner,
für Prag: Hromadka, Prokes, Dr. Skalicka und Schulz, für Wien; Prof.Becker, E. König,
S. R. Wolf und Dr. Gruber.
Quelle: Deutsche Schachblätter Nr.13 1.Juli 1925, S.286
Man spricht unter Berlins Schachspielern von Antje Riedel, einer 17jährigen Schülerin der EOS Heinrich Schliemann: DDR-Meisterschaftsvierte als Debütantin; im Juli in Plowdiw erstmals die Norm einer FIDE-Meisterin erfüllt; DDR-Meisterin im Blitzschach. Ferner hat Antje am DDR-Meistertitel der männlichen (!) Jugendmannschaft ihrer BSG AdW Berlin wesentlichen Anteil. Schließlich leitet sie in ihrer Sektion mit Erfolg eine Trainingsgruppe von 8- bis 10jährigen Jungen und Mädchen.
Quelle: Heinz Machatscheck in BZA 275 vom 23.11.1985